Ein Puzzler, ein Pedant, ein selten zufriedener, narzisstischer Analytiker: Nicht Dietrich Fischer-Dieskau ist gemeint, sondern Hermann Prey, mit dem man dies kaum assoziiert hätte. Helmut Deutsch, sein Dauer-Klavierbegleiter, schildert das hingebungsvoll – und wie viel er von diesem großen Bariton lernte und profitierte. Insofern ist das Buch keine geschwätzige Anekdoten-Parade, sondern verrät viel vom Wesen und den Erfordernissen des Liedgesangs. Den Kenner befriedigt das, aber auch den Neuling. Das Buch eines der wichtigsten Flügelmänner unserer Zeit ist zweigeteilt – in einen selbstironischen, nicht uneitlen autobiografischen Teil und in Kapitel über die wichtigsten Solisten, die Deutsch im Doppelsinn begleiten durfte. Galant und gern vielsagend schildert Deutsch, bis 2011 Professor in München und der hiesigen Hochschule weiter verbunden, die Eigenheiten seiner singenden Partner, von Olaf Bär über Peter Schreier oder Brigitte Fassbaender und Jonas Kaufmann bis zu seinem jüngsten und aktuellen Schützling Mauro Peter. Besonders der als Liedsängerin verkannten Camilla Nylund wird gehuldigt, einzig Barbara Bonney kommt schlecht weg. Als ob da etwas Privates im Spiel gewesen wäre. th