Nehmt das!

von Redaktion

Wir sprachen mit Take That über die München-Premiere ihres Musicals

Nein, ins Hofbräuhaus werden sie wohl nicht gehen. „Wir sind einfach alle keine großen Trinker“, sagt Howard Donald. Wie sich das gehört für brave Teenie-Idole. Take That waren die Boyband der Neunzigerjahre (s. Kasten). 2017 wurde das Musical „The Band“ über die Gruppe in Manchester uraufgeführt – die Tickets verkauften sich schneller als je eine britische Theaterproduktion zuvor. Seit April ist die Show, an deren Produktion alle fünf Mitglieder mitgewirkt haben, auf Deutsch in Berlin zu sehen und feiert am Donnerstag in München im Deutschen Theater Premiere (Karten: 089/ 55 234 444). Wir sprachen mit Donald, Gary Barlow und Mark Owen vorab.

Das Stück handelt von Jugenderinnerungen. Wenn Sie noch einmal jung sein könnten – was würden Sie anders machen?

Howard Donald: Ich würde mich besser in der Schule bemühen. Mehr lernen statt so ein frecher Junge zu sein, der ich war.

Aber es ist schön, ein frecher Junge zu sein.

Donald: Das stimmt. Und noch schöner ist es, zurückzuschauen und zu sehen: Hey, ich wurde Mitglied einer bekannten Boyband und muss nicht von Sozialhilfe leben. Es ist gut gegangen.

Gary Barlow: Ich muss aber sagen, dass ich unseren Erfolg damals gar nicht so richtig genießen konnte. Ich habe mir ständig Sorgen gemacht. Gehe ich den richtigen Weg? Spielen wir genug Shows? Wir können uns so glücklich schätzen, dass wir nach 30 Jahren immer noch zusammen touren. Ich möchte das richtig auskosten. Und nicht zurückschauen. Das ist, was ich gelernt habe: Genieß’ den Moment!

Im Musical geht es auch um Leidenschaft. Verlieren wir diese hemmungslose Euphoriefähigkeit mit der Zeit? Dieses Ausflippen, wie es junge Mädchen tun, wenn sie Boybands wie die Ihre erleben?

Donald: Ich glaube, die Fähigkeit zur Euphorie verliert man nicht. Doch je älter man wird, desto mehr Lebensbereiche entstehen. Heute haben wir Frauen und Kinder, in den Neunzigern gab es für uns nur die Musik. Die Leidenschaft wird aufgeteilt. Und erscheint entsprechend gedämpfter.

Owen: Um sie zu bewahren, muss man sich vergegenwärtigen: Hey, ich bin am Leben, in diesem riesigen Universum. Das ist irre! Von dem Gedanken lasse ich mich immer wieder begeistern.

Waren Sie je leidenschaftlicher Fan von jemandem?

Barlow: Ich von Madonna.

Owen: Und Fußball!

Donald: Ich von den Beatles.

Sie haben Paul McCartney kennengelernt. Wie war’s?

Donald: Wahnsinn! Für jeden Menschen dieser Welt ist es einmalig, ihn zu treffen. Aber besonders, wenn du selbst Songwriter bist. Du musst ihn eigentlich von Grund auf hassen, weil er so talentiert ist. (Lacht.) Aber er ist noch dazu so unglaublich freundlich. Dann muss man ihn einfach lieben.

Liebe für Bands drückt sich heute auch über Likes in Sozialen Netzwerken aus. Sind Sie froh, dass es kein Social Media gab, als Sie damals Karriere machten?

Barlow: Ja, ich bin sehr dankbar dafür. Wir haben die Menschen in erster Linie über Konzerte erreicht. Wir waren wirklich physisch anwesend. Wir haben hart gearbeitet, um in all die Länder zu reisen. Heute schaut nur noch jeder auf sein Smartphone. Selbst beim gemeinsamen Mittagessen. Du wirst der Sklave deines Telefons. Ist traurig, aber ich bin selbst eins dieser Opfer.

Sind Sie heute eigentlich nach einer Show fertiger als vor 20 Jahren?

Donald: Na klar. Die Shows sind noch immer so energiegeladen wie damals. Aber die Nächte danach nicht mehr. (Lacht.) Damals sind wir noch zusammen an die Bar gegangen, haben geplaudert, konnten die ganze Nacht wachbleiben und am nächsten Tag wieder performen. Das war einmal…

Gibt es die Chance, dass Sie je wieder zu fünft auftreten?

Barlow: Ja.

Wann?

Donald: Wir haben da keinen Plan. Es passiert, wenn es passiert. Wir rennen dem nicht nach. Wir sind sehr happy zu dritt, wir waren sehr happy zu viert und sehr happy zu fünft. Schauen wir mal, was da noch kommt.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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