Wenn das stimmt, was David Hasselhoff kürzlich in einem Interview behauptete, möchte man ihn noch ein bisschen lauter anfeuern, gestern Abend, bei seinem recht spärlich besuchten Konzert in der Olympiahalle. Manchmal, so verriet er im Gespräch, sei es sehr schwer zu reisen, weil überall so viele Menschen seien, die ihn kennen. „Meine liebste Tarnung ist eine David-Hasselhoff-Maske. Wenn ich die aufhabe, stört mich niemand. Dann denken alle nur, ich bin ein Idiot, der eine David-Hasselhoff-Maske aufhat.“
Vermutlich ist’s genau diese lässige Selbstironie, die den 67-Jährigen nach dem Ende der irrsinnig erfolgreichen TV-Serie „Baywatch“ in den Neunzigern nicht völlig abstürzen ließ. Er ist bekennender Alkoholiker, er landete nie wieder Hits wie „Looking For Freedom“, bei manchen Auftritten hat man mit Blick ins Publikum das Gefühl, dass keiner der Anwesenden ihn so richtig ernst nimmt. Und doch: Hasselhoff macht weiter. Er ist so frei.
Gestern war die Halle nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Andere würden Krankheit vortäuschen. The Hoff? Ist sein eigener Rettungsschwimmer und stürzt sich mutig ins Geschehen.
„Ich liebe euch alle!“, verspricht er gleich zu Beginn. Die vielen Fan-Grüppchen, die sich in Rettungsschwimmer-Kostüme geworfen haben, nehmen ihn als Party-Anheizer. Wenn sie „Hasselhoff! Hasselhoff!“ grölen, zieht der sein Hemd aus und zeigt noch einmal seinen, nun, nicht mehr ganz so durchtrainierten Oberkörper. Darauf ein Tattoo: „Don’t hassel the Hoff“ samt eigenem Konterfei.
Für die, die nicht textsicher oder zu betrunken sind, läuft der Text zu Covern wie „Head on“ oder „I melt with you“ auf Großleinwand. Und wenn the Hoff zur Schmusenummer „Flying On The Wings Of Tenderness“ ansetzt, gibt’s ein Video seines 30 Jahre jüngeren Gesichts in Nahaufnahme. Mit sehnsüchtigem Blick in die Kamera. Schmacht.
Doch am meisten hoffen hier alle – na klar! – auf einen, ja den Hit. Sie wollen die Freiheit feiern. Hasselhoff spielt immer wieder scherzend darauf an, bis er dann endlich kommt: „Looking For Freedom“. Da flippen sie alle völlig aus. Und die Rettungsbojen schwingen in der Luft.
Noch etwas sagte Hasselhoff in seinem erwähnten Interview: „Ich bin froh, überall dorthin zu reisen, wo Menschen mich mögen.“ Das tun sie an diesem Abend alle. K.I.T.T., was für ein Ride!