Gesoffen wird hier schon seit acht Jahren. Und dass nicht alles längst im finalen Delirium gelandet ist, dafür garantiert an der Bayerischen Staatsoper mehrerlei. Nüchterne, gute Abendspielleiter, die das komplexe Regie-Gebilde von „Les Contes d’Hoffmann“ in Schuss halten, und Frischzellenkuren dank Neubesetzungen. Michael Spyres, derzeit bester Stilist fürs Französische und keine Grenzen fürchtend, ist seit zwei Jahren dabei. Dass er an diesem Abend zunehmend höhengebremst singt, liegt an einer kleinen Indisposition. Wie dieser Mustertechniker das löst, darüber staunt man trotzdem.
Neu nicht nur in der Inszenierung, sondern auch im Nationaltheater ist Michèle Losier als Nicklausse/Muse. Für die Hosenrolle bringt die kanadische Mezzosopranistin die passend herbe Klangnote mit, auch Risikolust. Dass manches leicht verhärtet gerät, könnte am Überschwang des ersten Mals liegen. Alex Esposito hat die vier Bösewichte schon andernorts gesungen, nun tut er’s in München. Die Stimme hat an Erz und Dimensionen gewonnen, die Agilität ist geblieben. Der Italiener gehört damit zu den wenigen Fachvertretern, die diese Aufgabe überhaupt schultern können.
Dazu gibt es ein erstklassiges Frauentrio mit Nina Minasyan (eine Olympia als frostiger Verzierungsautomat), Sarah-Jane Brandon (eine vokal zartgliedrige Antonia) und Simona Mihai als delikate, nicht zu plakativ-verruchte Giulietta.
Constantin Trinks stand beim Münchner „Hoffmann“ schon am Pult. Flott ist er unterwegs. Anfangs rumpelt es teutonisch, Eleganz stellt sich erst später ein. Einiges muss noch einrasten, ein Defekt fast jeder Wiederaufnahme.
Weitere Aufführungen
am 11. und 15. Oktober; Telefon 089/2185-1920.