Mode ist nicht nur schön. Mode ist ein dreckiges Geschäft. Produkte aus der zweitschmutzigsten Industrie der Welt (nach der Ölindustrie) sind das, was die deutsche „Vogue“ seit 40 Jahren abbildet. Deshalb ist die Jubiläumsschau, die ab heute in der Villa Stuck zu sehen ist, keine reine Lobhudelei.
12,8 Millionen Tonnen Kleidung landen jedes Jahr auf Müllhalden; die Mode-Industrie ist für 20 Prozent des industriellen Abwassers verantwortlich und für zehn Prozent der Kohlenstoff-Emissionen; 80 Prozent der Beschäftigten in der Textilbranche sind Frauen. Diese Fakten führen dem Besucher auf Schautafeln vor Augen, wie das eigene Konsumverhalten die Umweltzerstörung und Ausbeutung von billigen Arbeitskräften fördert.
Nicht nur in der Produktion, auch bei der Abbildung der edlen Kleidungsstücke im wichtigsten Modemagazin der Welt ist in den vergangenen 40 Jahren nicht alles vorbildlich verlaufen. „Das möchten wir selbstkritisch abbilden“, betont Christiane Arp, Chefredakteurin der „Vogue Deutschland“. Angeheizt durch die #MeToo-Debatte, hat der die Zeitschrift herausgebende Condé Nast Verlag einen Verhaltenskodex erstellt. Da stehen scheinbar selbstverständliche Punkte, wie, dass für die Models bei Shootings geschützte Räume zur Verfügung stehen müssen, in denen sie sich umziehen können. Der Kodex ist prominent in Raum drei ausgestellt. Dem Zimmer mit dem Zeitstrahl an der Wand. Darunter zu jeder der 40 Jahreszahlen Infos darüber, was in Mode, Musik, Film und sonst noch auf der Welt geschah. Denn jede popkulturelle, jede gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst die Art, wie wir uns kleiden.
Wie Monat für Monat ein neues Heft entsteht, das diese Entwicklungen abbildet, verdeutlicht die Schau auf sehenswerte Weise. Am deutlichsten im oberen Stockwerk. Ein Fotostudio ist dort aufgebaut. Hier werden in den nächsten Tagen Shootings für die Dezember-Ausgabe der „Vogue Deutschland“ stattfinden, hier werden die Redakteure überlegen, was ins Heft kommt, und was nicht. Und die Zuschauer sind live dabei (alle Termine zu finden unter www.villastuck.de).
Und dann sind da noch die letzten zwei Ausstellungszimmer. Die, die Hoffnung machen. Denn für die jungen Designer stelle sich gar nicht mehr die Frage, ob sie nachhaltig produzieren – „die überlegen, wie“, betont Arp. Und zeigt einige innovative Ideen. Da werden Kristalle aus menschlichem Schweiß hergestellt; oder Jacken aus Plastikmüll. Damit Mode nicht nur schön, sondern auch schön nachhaltig ist.
Bis 12. Januar 2020,
Di.-So. 11-18 Uhr, erster Freitag im Monat bis 22 Uhr; Telefon 089/45 55 51 0.