Für „Underground Railroad“ , in dem er die Ursprünge des Rassismus in den USA schildert, erhielt Colson Whitehead vor drei Jahren den Pulitzer Preis. In „Die Nickel Boys“ arbeitet er ein weiteres grauenvolles Kapitel der US-Geschichte auf: Der Autor nimmt die Leser mit in die Sechzigerjahre mit ihrem institutionalisierten Rassismus. Im Zentrum steht Elwood, der Martin Luther King verehrt und von der Gleichbehandlung aller Menschen träumt. Zufällig gerät er in Schwierigkeiten mit der Polizei – und in die
Besserungsanstalt Nickel Academy, in der vermeintlich schwer erziehbaren Burschen mit dunkler Haut Gewalt angetan wird. Whitehead erzählt das auf wahren Ereignissen Basierende in einem trockenen Ton. Nie anklagend, moralisierend oder larmoyant. Er stellt das System einfach nur in seiner Abscheulichkeit vor. Gerade durch diese Klarheit erhält der Text seine emotionale Wucht. Am 25. Oktober liest Whitehead im Münchner Literaturhaus; Karten: 089/29 19 34 27. ulf