Viele kennen die Band Chicago wegen blauäugiger Soul-Hits wie „If you leave me now“ aus den späten Siebzigern – der Zuckergehalt allein dieses gar nicht mal schlechten Songs verleiht dem Punkrock als rotzige Gegenbewegung seine Existenzberechtigung. Als Chicago noch Chicago Transit Authority hießen, war ihre Musik weit weniger stromlinienförmig. Das gleichnamige Debüt von 1969, das jetzt in verschiedenen Formaten remixt wiederveröffentlicht wurde, zeigt die Gruppe vielmehr als dampfende, groovende Fusion-Formation, die Funk, Jazz und Rock verschmolz. Songs wie „Beginnings”, „Does anybody really know what Time it is?” und „Questions 67 and 68” sind immens eingängig, mit ihren scharfen Bläsersätzen aber dennoch rau und kantig, und das 15-minütige „Liberation“ nimmt sich in Form und Inhalt tatsächlich alle Freiheit der Welt, ohne langweilig zu werden. Eine Doppel-LP mit keiner einzigen Niete – das haben auch zur damaligen Zeit wenige hinbekommen. lö