Mustergültig

von Redaktion

Die Münchner Philharmoniker überzeugen mit Schostakowitsch

VON MAXIMILIAN MAIER

Es ist vermutlich doch so: Es gibt Musik, die Dirigenten mehr liegt, und solche, die ihnen weniger liegt. Für Dmitri Schostakowitsch gibt es aktuell wohl keinen besseren Interpreten als Valery Gergiev. Das wird auch bei dessen fünfter Symphonie wieder klar.

Gergiev hat beim zweiten Abonnementkonzert der Münchner Philharmoniker immer den Klang im Blick. Hier aber geht er über die Schönheit hinaus und fördert auch die Doppelbödigkeit der Partitur zu Tage. So schillert der erste Satz in gewollt krass gegensätzlichen Farben. Drastisch wird die Zerrissenheit des politisch vom Sowjet-Regime gegeißelten Schostakowitsch spürbar. Grell und fratzenhaft kommt das Allegretto daher. Die folkloristische Heiterkeit bleibt immer gefährliche Attitüde – Überdrehtheit als schützender Kokon.

Gergiev geht das ganze Stück über an die dynamischen Ränder. Vor allem im Piano lotet er aus, was seine Münchner Philharmoniker zu bieten haben. Die prunken einerseits mit ihren Bläsersolisten und agieren andererseits als Einheit. Alles ist fein aufeinander abgestimmt. Im dritten Satz wagt Gergiev den ganz großen Bogen, quasi als einzige, unendliche Linie gespielt.

Dieses geschlossene Miteinander gelingt im ersten Klavierkonzert von Piotr Tschaikowsky nicht immer. Behzod Abduraimov, der in seinem Talent so Beschenkte, wirkt wie ein Rennpferd, das endlich am Start angelangt, sofort Vollgas gibt. Nicht selten prescht er dem Orchester davon, wirkt fast ungestüm in seinem Vorwärtsdrang.

So spielt er auch: hochpräsent, glasklar in der Artikulation, aber bei aller bewundernswerten Virtuosität auch etwas unsensibel. Sensibilität beweisen die Philharmoniker in Schostakowitschs Fünfter, auch in den schlüssig angelegten Steigerungen des Finales. Es bleibt Gergievs Geheimnis, warum ihm hier all das mustergültig gelingt, was bei Bruckner zu oft zu kurz kommt.

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