Vier Herren in karierten Kasperlkostümen rudern mit den Armen, rennen wie wild herum, grimassieren und führen eine Art Comic-Pantomime vor. Wenn sie zu sprechen beginnen, behauptet einer der Darsteller, Rocco Barocco sei der Bruder von Bruno Banani. Ein anderer erzählt, er habe in Paris in die Seine „gespückt“. Und endlich, nachdem man sich vor Lachen eh schon weggeschmissen hat, kommen sogar noch „Meister Feder und sein Pumuckl“ vor! Das ist dann vollends zum Wiehern. Zumal die vier Schauspieler gelegentlich auch noch mit gebleckten Zähnen Pferde mimen – und zwar so überzeugend, dass man am liebsten fragen würde: „Wo laufen sie denn?“
Antwort: im Münchner Cuvilliéstheater. Denn dort galoppierte mit „Die drei Musketiere“ nach dem Roman von Alexandre Dumas die zweite Premiere der neuen Spielzeit über die bis zur Brandmauer offene Bühne. Die Aufführung brachte Intendant Andreas Beck von seiner bisherigen Wirkungsstätte Basel mit, wo sie ein Knüller gewesen sein soll – aber Basel ist ja wegen der urkomischen Basler Fastnacht berühmt für seinen Humor.
Da liefe man natürlich Gefahr, jetzt als Münchner Spaßbremse dazustehen, wenn man fände, der Abend sei ein ausgemachter Schmarrn. Darum sagen wir’s lieber diplomatisch: Er ist eine humoristische Rosskur. Über zwei viel zu lange Stunden hinweg erlebt man kindisches Gealber, das es nie schafft, sich zum höheren Blödsinn aufzuschwingen. Ja, trotz seiner Hochtourigkeit bleibt dieses Leerlauf-Geblödel über weite Strecken einschläfernd langweilig.
An den Schauspielern liegt das nicht, denn Nicola Mastroberardino, Michael Wächter, Max Rothbart sowie Vincent Glander sind mit solcher Verve bei der Sache und klackern so gekonnt mit ihren Stepp-Schuhen, dass es scheint, die Aufführung sei nur zu ihrem Vergnügen da.
Nun ist natürlich Dumas’ Roman selbst ein ziemlich alberner Historienschinken, der geradezu nach der Parodie schreit. Aber bis zur Parodie dringt das (Muske-) tierische Gehopse kaum je vor. Der ganze Abend hat nur einen einzigen zündenden Moment: Wenn die vier Pferde-Darsteller zum „Radetzkymarsch“ eine ballettreife Lipizzaner-Show hinlegen, ahnt man, was das Stück hätte werden können, wenn nicht der Gaudi-Gaul durchgegangen wäre mit Regisseur Antonio Latella, der uns vor einigen Monaten schon am Residenztheater mit einer Pasolini-Geschichte nervte. Kaum Gelächter, viel Applaus.
Nächste Vorstellungen
am 26. und 28. Oktober
sowie am 12., 13.
und 26. November;
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