Einen kleinen Brexit-Witz zu Beginn, konnte sich auch Howard Arman offenbar nicht verkneifen, angesichts der verfahrenen Lage im politisch derzeit nicht allzu vereinigten Königreich. Umso mehr konzentrierte man sich nun aber zumindest beim BR-Chor auf die musikalischen Berührungspunkte zwischen der Heimat und Wahlheimat seines Chefdirigenten. Als Aufhänger dienten dabei Edward Elgars Chorlieder „From the Bavarian Highlands“, die der Komponist nach einer Sommerfrische in Garmisch-Partenkirchen zu Papier brachte.
Durchaus ein Kuriosum, dessen bayerische Anklänge oft ähnlich authentisch daherkamen wie die Schlager, die einem die Öffentlich- Rechtlichen zur besten Sendezeit gerne als Volksmusik verkauften. Was aber auch an den klischeebeladenen Texten von Mrs. Elgar liegen mochte. Eine interessante und lohnenswerte Hörerfahrung war es dennoch. Nicht zuletzt durch die dazwischengeschobenen Nummern des Ammertaler Viergsangs. Unterstützt von einer dreiköpfigen Stubenmusi sorgte das Quartett mit einer inhaltlich perfekt abgestimmten Auswahl traditioneller bayerischer Lieder für den nötigen Kontrapunkt und erdete so die Kompositionen Elgars, der selbst bei seinen Urlaubserinnerungen in erster Linie Engländer blieb.
Durch und durch britisch, aber ebenso in der Volksmusik verwurzelt, präsentierte sich dagegen der erneut launig vom Chef moderierte zweite Teil, bei dem sich Brittens „Choral Dances“ aus „Gloriana“ für die Damen des BR-Chores hin und wieder in unbequeme Höhen schraubten. Wohler fühlte man sich hörbar bei den Kompositionen von William Harris und Michael Tippett.
Doch als eigentliche Entdeckung des Abends durften trotzdem die „British Folk-Music Settings“ von Percy Grainger gelten, bei denen nicht nur der Chor eine breite Ausdruckspalette – von der sanft intonierten Vokalise über humorvolle Nonsens-Gedichte bis hin zur deftigen Liebesballade – zeigen konnte. Auch Arman selbst verließ hier einmal das Podium, um gemeinsam mit Pianist Max Hanft vierhändig am Klavier für Stimmung zu sorgen.