Wenn eine Anwältin einen Thriller schreibt, dann liegt nahe, dass er im Justizmilieu spielt. So auch bei „Blood Orange“, dem Romanerstling der Britin Harriet Tyce. Allerdings ist Alison, die Hauptfigur und Erzählerin des Romans, nicht die strahlende Heldin, die man erwartet. Ihre Ehe ist eine Katastrophe, sie hat ein Verhältnis mit einem Justizbeamten, und sie trinkt regelmäßig mehr, als ihr guttut. Doch sie engagiert sich sehr, als sie als Pflichtverteidigerin in einem Mordfall berufen wird. Eine Frau soll ihren Ehemann erstochen haben, und Alison sieht Parallelen zu ihrer eigenen Ehe. Zu ihrem Verdruss besteht die Angeklagte aber darauf, die Tat begangen zu haben. Man merkt dem Text an, dass Tyce sich mit dem britischen Rechtssystem bestens auskennt. Einen besonderen Reiz liefert Alisons Labilität, da nicht immer klar ist, was von ihren Erzählungen tatsächlich glaubhaft ist. sp