Janine Jansen ist die Seiltänzerin der Violinistinnen. Sie beherrscht den Ritt auf der Klinge, bewegt sich zwischen Extremen, und es gelingt ihr die große Kunst, weder ins Plakative zu verfallen noch unentschlossen zu wirken. Im ersten Violinkonzert von Max Bruch kommt dies wunderbar zum Tragen. Jansen (Foto: Marco Borggreve) wagt den voluminösen Ton und den attackierenden Biss, entwickelt so die nötige Dramatik, ja Drastik. Gleichzeitig behält sie sich die Klarheit und Wahrhaftigkeit, die wahres Pathos vom bloßen Effekt unterscheidet. So gelingt es ihr im Adagio, die Zeit anzuhalten. Mit welcher Wärme, welcher Liebe spielt sie das! Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker tragen das Ihre dazu bei. Hier passt Gergievs Ansatz der lockeren Zügel, des miteinander Musizierens durch aufeinander Hören. Die erste Symphonie von Sibelius malt er mit deutlich breiterem Pinsel, was keine große interpretatorische Handschrift verrät, aber durch die klangliche Opulenz fasziniert – ebenso wie die bloße Spiellaune der Philis in Jörg Widmanns „Con brio“. MAXIMILIAN MAIER