In den Schaufenstern kündigt sich die Adventszeit schon deutlich an. Und bald werden auch Bach und Händel das Musikangebot wieder mit den einschlägigen Klassikern dominieren. Bevor die Oratorien-Flut aber so richtig einsetzt, legte noch schnell der Münchner Motettenchor mit Dvořáks „Stabat Mater“ vor. Für den Komponisten das erste große Sakralwerk seines Stücke-Kanons, geprägt durch den Tod seiner drei Kinder, die in rascher Folge gestorben waren.
Dvořák fing so in seiner Musik nicht nur den Schmerz der trauernden Gottesmutter zu Füßen des Kreuzes trefflich ein, sondern ließ mit dunklen Klangfarben auch tief in die eigene Seele blicken. Wobei Dirigent Benedikt Haag durchaus ein gutes Gespür für die kleinen, aber feinen Nuancen der einzelnen Segmente bewies. So wurde etwa der breite Kopfsatz vom Chor vor dem ersten pathetischen Aufbäumen zunächst noch wunderbar zart intoniert und das Weihrauchfass auch später meist in der Sakristei gelassen.
Ein unaufgeregtes, in sich ruhendes Glaubensbekenntnis, das vor allem in den leisen Momenten seine Stärken hatte. Lediglich an der Balance zwischen Chor und Orchester mangelte es hin und wieder. Wohl auch, weil man die Münchner Symphoniker schon deutlich konzentrierter und homogener erlebt hat als hier im Herkulessaal.
Kaum Wünsche offen ließ hingegen das Solistenquartett. Allen voran Caspar Singh, ein echter Rohdiamant aus dem Nachwuchsprogramm der Staatsoper, der einen unverbrauchten lyrischen Tenor ins Feld führte und sich für größere Aufgaben empfahl. Souverän in ihren Arien auch Christoph Seidl mit geschmeidigem Bass und Natalya Boeva, deren warm timbrierter Alt dem etwas schmalen Sopran von Talia Or allerdings öfter die Führungsrolle streitig machte. TOBIAS HELL