In der Gefahrenzone

von Redaktion

Das Gebäude der Münchner Musikhochschule muss dringend saniert werden

VON MARKUS THIEL

Einfach zusperren müssen, von heute auf morgen wie vor einigen Jahren beim Theater Augsburg, so etwas will sich keiner in den schlimmsten Albträumen ausmalen. Wobei: Unbedingt ausschließen lässt sich dies nicht im Falle des Hauptgebäudes der Münchner Musikhochschule. Mal fällt die Notstromanlage aus, mal müssen die Toiletten abgeriegelt werden, dann gab es einen Wasserrohrbruch, vor einiger Zeit verschimmelte das Archiv im Keller: Der 1937 eröffnete „Führerbau“ an der Arcisstraße ist auf den Hund gekommen.

Dass hier überhaupt noch ein geordneter Lehrbetrieb stattfinden kann, grenzt an ein Wunder. „Wir können nicht länger warten“, sagt Hochschul-Präsident Bernd Redmann. Gemeint ist damit die bevorstehende Generalsanierung. Seit Kurzem liegt – nach vielen Abstimmungsprozessen – der Bauantrag bei den zuständigen Ministerien. Nächster Schritt wäre die Erteilung eines Planungsauftrags mit einem Architekturwettbewerb im Vorfeld. Innerhalb des nächsten halben Jahres sollte dies geschehen, hofft Redmann. „Wenn alles gut geht“ könnten die Arbeiten 2023 beginnen, 2029 oder 2030 wäre dann der „Campus Arcisstraße“ fertig. Falls keine Zeitverzögerung eintritt.

Es ist in der öffentlichen Debatte ein wenig still geworden um das Bauvorhaben. Vielleicht auch, weil die Hochschule für Musik und Theater München eher wegen der #MeToo-Debatte um ihren Ex-Präsidenten Siegfried Mauser im Kreuzfeuer stand. Und auch weil die Bauprojekte Deutsches Museum, Gasteig oder Konzerthaus zurzeit größere Aufmerksamkeit genießen. Dabei, darauf weist Bernd Redmann hin, handele es sich bei der Musikhochschule um einen Notfall.

Nicht nur ein marodes Gebäude müsse auf Vordermann gebracht werden, auch die Raumsituation sei unzumutbar. „Wir sind eine Musikhochschule fast ohne Überäume“, beklagt Redmann. „Das ist ein atavistischer Zustand. Dieser Raummangel drückt auf die Lehr- und Studienqualität.“ Abhilfe soll durch die Nutzung zweier Bauten hinter dem Hauptgebäude geschaffen werden: Einer soll abgerissen und neu gebaut, ein weiterer umgebaut werden. Bibliothek und Verwaltung könnten dann dorthin umziehen, womit im Haupthaus wertvoller Platz gewonnen wäre.

Unter dem Parkplatz hinter dem „Führerbau“ möchte man eine Tiefgarage realisieren. Mit der Freifläche kann man laut Redmann wieder an den Gartenstadtcharakter dieses Viertels anknüpfen – und ein durchgängiges Areal vom NS-Dokuzentrum bis zur Filmhochschule schaffen. Insgesamt soll alles nach ersten Schätzungen einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Auf eine genaue Summe möchte man sich seitens der Hochschule nicht festlegen lassen – wobei hier die Kosten für ein Ausweichquartier der Hochschule schon eingerechnet sind.

Bekanntlich soll das Institut für die Übergangszeit in die Frankenthaler Straße an Giesing ziehen – dorthin, wo auch Teile des Gärtnerplatztheater-Betriebs ausgelagert wurden und wo früher die Hochschule für Fernsehen und Film beheimatet war. „Bei der Investition in ein Ausweichquartier werden Nachnutzungen bereits mitgedacht“, sagt Redmann. Der Präsident drückt auch deswegen aufs Tempo, weil der Baukostenindex in München pro Jahr um einen zweistelligen Prozentsatz nach oben schießt: „Es ist für den Freistaat kostensparend, schneller zu bauen.“

Einwänden, hier werde dem Wasserkopf München schon wieder ein Projekt geschenkt, begegnet der Präsident mit den Aktivitäten seines Hauses. Schließlich fühle man sich nicht nur für die Landeshauptstadt, sondern für ganz Bayern verantwortlich – zum Beispiel mit der Sommerakademie in Bad Reichenhall, Musikwochenenden für Gymnasien, einer mit der Staatsoper geplanten Konzertreihe in Polling oder Gastspielen des Education-Projekts „Opernbus“ etwa in Burghausen.

Neben der Generalsanierung an der Arcisstraße gibt es für die Musikhochschule noch zwei weitere Projekte. Es handelt sich um den Bau des Konzerthauses im Werksviertel und die Gasteig-Renovierung. Im Haidhauser Kulturzentrum belegt das Institut eine Fläche von rund 3500 Quadratmetern. Auch hier steht ein Auszug ins Interimsquartier an, in diesem Fall ans Sendlinger Heizkraftwerk. Und auch hier erhofft man sich nach dem Rückzug nach Haidhausen wesentlich attraktivere Räume. Bisher muss die Hochschule im Gasteig zum Teil mit Mini-Überäumen von fünf bis sechs  Quadratmetern vorliebnehmen. Internationale Normgröße sind aber laut Bernd Redmann zwölf Quadratmeter.

Es eilt also an der Arcisstraße. Schon jetzt muss dort immer wieder kurzfristig saniert werden. Besonders schwierig dabei: Viele verbaute Materialien sind schadstoffbelastet. Außerdem wurde für den Brandschutz gerade eine sechsstellige Summe ausgegeben. Was deshalb schmerzlich ist, weil all dies aus Sicherheitsgründen noch vor einer Generalsanierung passieren musste. Was der Hochschule demnächst noch drohen könnte? Für Bernd Redmann ist der Große Konzertsaal mit seinem dürftigen Brandschutz das Sorgenkind: „Das ist wie eine heiße Kartoffel, die niemand mehr so richtig halten möchte.“

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