Das hätte grandios in die Hose gehen können. Schließlich hat Johnny Cash (1932-2003) etwa mit „Jackson“, „Folsom Prison Blues“ und „I walk the Line“ Songs geschrieben, die fest verankert sind im Erbe von Country-Musik und Rock’n’Roll. Auch der Künstler selbst, der sich seit den frühen Siebzigern nur noch in Schwarz kleidete, ist heute längst eine Ikone. Wer sich an die heranwagt, muss schon eine sehr gute Idee mitbringen, um vor dem „Man in Black“ nicht in die Knie zu gehen.
David M. Lutken (Arrangements) und Sherry Lutken (Regie) hatten eine solche: Sie und ihr engagiertes Ensemble machen vieles richtig bei „Ring of Fire“. Diese mitreißende, liebevolle Hommage an Cash feierte am Mittwoch im Silbersaal des Deutschen Theaters ihre umjubelte Deutschlandpremiere.
Auf der Bühne wird mit Holzlatten recht pittoresk ein Farmgebäude angedeutet, wie es die Familie Cash einst in Arkansas bewirtschaftet hat. In Sachen Ausstattung war es das dann schon wieder mit dem Illusionstheater. Zum Glück. Denn im Zentrum des zweieinviertel Stunden langen Abends (eine Pause) steht die Musik. Michael Hicks, Margaret Dudasik, David M. Lutken, Morgan Morse, Helen Jean Russell und Sam Sherwood sind zwar charmante, aber keinesfalls großartige Schauspieler. Das ist ihnen auch bewusst. Doch wissen sie um ihr Können als Musiker. Konsequent werden die Spielszenen aufs Nötigste reduziert, kurze Erzählpassagen auf Englisch informieren über Eckdaten in Cashs Vita.
Die gut 30 Songs des Abends hat Lutken neu arrangiert. Dabei achtete er darauf, ihren Kern zu bewahren, die Lieder aber dennoch frisch klingen zu lassen. Das klappt – und kommt seinen fünf Kollegen entgegen, die virtuos die Hits interpretieren. Dabei wechseln sie so elegant wie gekonnt Instrumente, Rollen, Stimmlagen. Daher läuft „Ring of Fire“ nie Gefahr, billige Kopie zu sein. Vielmehr verneigt sich das Ensemble vor Cash, indem es zu seinem Schaffen einen eigenen, hörenswerten Zugang findet.
Weitere Vorstellungen
bis 15. Dezember;
Telefon 089/55 234 444.