Sie sei immer „sehr gerne in München“, weil ihre Mutter einst hier gelebt hat, sagte Yasemin Çongar gestern Vormittag bei einer Pressekonferenz in der Ludwig-Maximilians-Universität. Dennoch merkte man der türkischen Autorin an, dass ihr aktueller Aufenthalt hier ein sehr zwiespältiges Vergnügen ist. Sie war nämlich nur stellvertretend da: als Vertraute des türkischen Schriftstellers Ahmet Altan nahm sie dann gestern Abend in der großen Aula der Münchner Universität den Geschwister-Scholl-Preis entgegen, der Altan für seinen Essayband „Ich werde die Welt nie wiedersehen“ zugesprochen worden war.
Wie vielfach berichtet, konnte Altan nicht selbst kommen, weil er, in der Türkei nach dreijährigem Gefängnisaufenthalt für wenige Tage freigelassen, inzwischen wieder verhaftet wurde. Das „mutige und unbeirrte Aufbegehren gegen Repression“ verbinde den Preisträger mit den Geschwistern Scholl, hob Münchens Kulturreferent Anton Biebl bei der Pressekonferenz hervor. Und Michael Then vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die Auszeichnung zusammen mit der Landeshauptstadt vergibt, betonte, dass der Geschwister-Scholl-Preis auch der Versuch sei, gegen das Unrecht anzugehen, das Menschen wie Ahmet Altan widerfährt.
Aber nicht nur ihm, denn „mindestens noch 30 weitere Medienschaffende“ seien in der Türkei in Haft, berichtete Then – und dazu kämen noch hunderte von namentlich nicht bekannten Journalisten. Ganz pessimistisch klang es dann zum Glück nicht, als Yasemin Çongar erzählte, der Preis bedeute sehr viel für Altan. Die Ehrung zeige dem Schriftsteller, dass man ihn trotz seiner Inhaftierung draußen nicht vergessen habe. „Ahmet war sehr bewegt, dass seine Essays, die er im Gefängnis schrieb, die Menschen erreicht haben“, berichtete sie.
Und diese Erfahrung halte den Inhaftierten gesund und lebendig, er sei optimistisch und fröhlich. Woran man sieht, welche große moralische und psychologische Wirkung ein solcher Preis auf die Ausgezeichneten hat. Das darf man ruhig einmal besonders erwähnen, denn der Geschwister-Scholl-Preis, den es seit 1980 gibt, wird heuer zum 40. Mal verliehen. Einen würdigeren Preisträger als Ahmet Altan hätte man für dieses Jubiläum nicht leicht finden können.