Höhenflüge

von Redaktion

Rafael Payare dirigiert die Münchner Philharmoniker

VON GABRIELE LUSTER

Laut kann er. Doch das war nur der erste, spontane Eindruck. Rafael Payare kann viel mehr. Zu welcher Vitalität, zu welcher Klangpracht und Differenzierung – ja, zu welchem Höhenflug er die Münchner Philharmoniker am Mittwoch im Gasteig inspirierte, das ließ die Zuhörer staunen und jubeln.

Der 40-jährige Dirigent stammt aus Venezuela, wurde im berühmten Jugendförderprogramm „El Sistema“ sozialisiert und hat die Pulte großer Orchester in Europa und den USA längst erobert. Temperamentvoll, ständig bewegt und mit ausladender Gestik geht er zu Werke und agiert dabei so flexibel und reaktionsschnell, dass er Dynamik, Rhythmik und Ausdruck auf vielfältige Weise gerecht wird und das Orchester ihm freudig folgt.

Natürlich bot der Überschwang des jungen Strauss im „Don Juan“ dem Südamerikaner genügend Raum, sich mit der geballten Streicher-macht der Philharmoniker phonstark auszutoben. Umso mehr beeindruckten aber die zarteren Momente etwa in der Solovioline, den Celli, den Hörnern oder im Holz. Betörend schön klang der Wehmutsgesang der Oboe.

Im anschließenden, ersten Violinkonzert von Béla Bartók fungierten Dirigent und Orchester als sensible, punktgenaue Begleiter von Veronika Eberle. Auf langem Atem ließ sie ihren hellen, intensiven Ton strömen – ein Sog, dem nach und nach die (Geigen-)Kollegen und die Zuhörer folgten: Hinein in die Gefühlswelt des verliebten Komponisten. Veronika Eberle musizierte mit innigem Ausdruck, voller Ruhe und ohne Druck, bevor sie im Allegro giocoso schließlich temperamentvoll und virtuos auftrumpfte. Zum Fest für das Orchester geriet eine Satzfolge aus Prokofjews Orchestersuiten zu „Romeo und Julia“. Rafael Payare reizte die Dynamik aus, kontrastierte die furiosen Ausbrüche von Blech und Schlagwerk mit den delikaten Einsprengseln der Holzbläser oder der Solobratsche. Hinreißend!

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