Bartók gab den Ton an

von Redaktion

Béla Bartók gab beim umjubelten Abo-Konzert des BR-Symphonieorchesters, Donnerstag im Herkulessaal, den Ton an – bis hinein in die Zugabe. Da nämlich lud Renaud Capuçon, der Solist des Abends, seinen Geigenkollegen Radoslaw Szulc zum Duett, das die beiden in heiter-spritzigem Miteinander verband. Zuvor hatte Capuçon sich Bartóks zweitem, spätem Violinkonzert gestellt. Auch wenn dieses große, komplexe, sich mit seinen drei Sätzen in die Tradition einreihende Konzert mit dem frühen ersten nicht gut zu vergleichen ist, drängte sich doch die Erinnerung an den Vorabend auf. Da gelang im Gasteig Veronika Eberle gemeinsam mit dem Dirigenten Rafael Payare und den Münchner Philharmonikern eine außergewöhnliche Interpretation des ersten Konzerts.

Capuçon mangelte es nicht an kraftvoll zupackendem Einsatz, und auch der junge israelische Dirigent Lahav Shani (Foto: Marco Borggreve/Israelisches Philharmonieorchester/dpa) neigte zum robusten Ansatz. Gleichwohl schmiegte sich das Orchester im verinnerlichten Andante tranquillo an die singende, ruhig ihre Kreise ziehende Violine. Insgesamt jedoch fehlte dem Gesamtklangbild die nötige Tiefenschärfe, mangelte es vor allem den temperamentvoll-virtuosen Variationen in den Ecksätzen an Transparenz.

An diesem Mangel litt auch das Konzert für Orchester, in dem der 30-jährige Dirigent – demnächst Zubin Mehtas Nachfolger als Chef des Israel Philharmonic Orchestra – der Bravour manch strukturelle und klangliche Feinheiten opferte. Natürlich nutzten die BR-Musiker die Chancen, die Bartók den Orchestersolisten und Gruppen in diesem 1943 für Boston komponierten Opus bietet. Das vorzügliche Blech stand den klangschönen Holzbläsern nicht nach, die im trivialen Intermezzo auch lärmen konnten. Eröffnet hatte Lahav Shani das Konzert mit den ebenso plastischen wie schlichten „Bildern aus Ungarn“. GABRIELE LUSTER

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