Ans Musikmachen war nicht zu denken. Der Tod von Mariss Jansons in der Nacht zum Sonntag hat sein BR-Symphonieorchester mehr als schockiert. Statt zu einer Probe traf man sich daher gestern Vormittag zu einer improvisierten Gedenkstunde: reden, sich trösten, mehr ging vorerst nicht. Jansons, der, wie berichtet, an den Spätfolgen einer schweren Virusinfektion starb, soll am 5. Dezember in seiner Heimatstadt St. Petersburg beerdigt werden – und dies auf dem Wolkowo-Friedhof, neben seinem 1984 gestorbenen Vater Arvids Jansons. Zuvor soll es nach Berichten aus der Familie eine Zeremonie in der Petersburger Philharmonie geben. Auch eine Delegation aus München wird an die Newa reisen.
Derzeit ist man beim Bayerischen Rundfunk fieberhaft damit beschäftigt, ein Münchner Gedenkkonzert zu organisieren. Dieses soll im Januar stattfinden. Wo, ist noch nicht bekannt, ebenso nicht, wer es dirigieren wird und was auf dem Programm steht. Ab heute soll ein Kondolenzbuch im Foyer des BR ausliegen. Zudem will das Orchester dem Verstorbenen seine beiden Konzerte am Donnerstag und Freitag im Herkulessaal widmen. Das Programm stehe noch nicht fest und werde gerade in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Franz Welser-Möst erarbeitet, hieß es. Besucher können sich an beiden Tagen dort auch in Kondolenzbücher eintragen.
Überhaupt muss das BR-Symphonieorchester dringend einen Ersatz für mehrere Konzerte gleich zu Jahresbeginn finden. Mitte Januar wollte Jansons eigentlich zu seinem Ensemble zurückkehren, anschließend war eine Spanien-Tournee mit dem Pianisten Igor Levit geplant. Abgesehen davon müssen auch viele weitere Jansons-Konzerte neu besetzt werden.
„Der große Mariss Jansons war ein unglaublicher Kollege, Lehrer und Mentor“, schrieb Andris Nelsons, Chefdirigent des Leipziger Gewandhausorchesters, auf Facebook. „Die Nachricht von seinem Ableben ist ein Schock und macht mich zutiefst traurig.“ Nelsons war einer der wenigen Schüler von Jansons und wurde von ihm protegiert. MARKUS THIEL/DPA