Proteste rund um Nobelpreisverleihung an Handke

von Redaktion

Umstrittener österreichischer Schriftsteller geehrt – Heftige Kritik an pro-serbischer Haltung

Stockholm – Begleitet von Protesten gegen den österreichischen Preisträger Peter Handke sind in Stockholm die diesjährigen wissenschaftlichen und literarischen Nobelpreise verliehen worden. Zwölf Wissenschaftler sowie die beiden Schriftsteller Olga Tokarczuk und Handke wurden am späten Dienstagnachmittag bei einer feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus mit den begehrten Nobelmedaillen ausgezeichnet. Bei der Zeremonie war unter den Gästen auch der Münchner Ehrenbürger und Verleger Hubert Burda. Der Publizist war nach eigenen Angaben auf persönliche Einladung seines Freundes Handke in die schwedische Hauptstadt gereist.

Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Anders Olsson, ließ die Kontroverse in seiner Laudatio auf Handke unerwähnt. Als Schwedens König Carl XVI. Gustaf die Auszeichnung überreichte, gab es aus dem Publikum höflichen Applaus und keine Pfiffe. Die Akademie hatte ihre Entscheidung für Handke im Vorfeld vehement verteidigt. Man müsse zwischen der Person und ihrem literarischen Werk unterscheiden, hatte sie erklärt.

Handke hatte sich im Jugoslawien-Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. 2006 hielt er bei der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic eine Rede. Dass die Schwedische Akademie ausgerechnet ihn auszeichnete, erzürnte nicht nur Organisationen wie die Mütter von Srebrenica und die Gesellschaft für bedrohte Völker. Staaten wie das EU-Land Kroatien und die Türkei verzichteten aus Protest gegen Handke auf die Teilnahme ihrer Botschafter an der Preisverleihung.

Zum abendlichen Protest auf dem Norrmalmstorg, auf dem bereits zu Balkankriegszeiten Kundgebungen gegen den Konflikt abgehalten worden waren, kamen nach Schätzungen zunächst etwa 200 Teilnehmer. „Handkes Literatur schreibt die Geschichte um, er stellt einen Genozid infrage, der bewiesen worden ist“, sagte eine der Initiatorinnen, Teufika Sabanovic. Sie glaube nicht daran, dass sich Handke eines Tages doch noch bei den Völkermordopfern entschuldigen werde. Handke habe bereits auf der Pressekonferenz in der Schwedischen Akademie eine goldene Gelegenheit verstreichen lassen, auf Fragen zu seiner Haltung zum Jugoslawien-Konflikt angemessen zu antworten.

Auf der Demonstration sagte die Teilnehmerin Halima Subasic, sie sei zu dem Protest gekommen, um ihre Solidarität mit den Völkermordopfern zu zeigen. „Man kann das alles nicht vereinfachen und bloß sagen, man müsse zwischen Literatur und der Person unterscheiden.“

„Wie könnt ihr es wagen, Peter Handke den Nobelpreis zu geben?“, fragte auch der Theaterregisseur und Schriftsteller Jasenko Selimovic, der 1992 als Flüchtling aus Sarajevo nach Schweden gekommen war, in einem Zeitungsbeitrag.

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hatte seinen Friedensnobelpreis zuvor bereits auf einer Verleihung in Oslo überreicht bekommen.

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