Hilfe für die Opera Mauritius

von Redaktion

Das Gärtnerplatztheater engagiert sich für das Musikhaus im Indischen Ozean

VON TOBIAS HELL

Ein Opernhaus unter Palmen? Das hatte so manche Passanten überrascht, die im Herbst beim Gärtnerplatz Open Air am Infostand der „Freunde der Oper Mauritius“ hängen geblieben waren. Doch tatsächlich steht auf der kleinen Insel im Indischen Ozean das älteste Opernhaus der südlichen Halbkugel. Eröffnet 1822 und damit noch einmal 42 Jahren älter als sein Gegenstück am Gärtnerplatz. Dessen Ensemble hat über die Jahre zahlreiche Verbindungen nach Mauritius geknüpft. Während das Münchner Haus inzwischen wieder in neuem Glanz erstrahlt, erhebt sich in der dortigen Hauptstadt Port Louis derzeit noch ein hoher Bauzaun. Doch zeigt man sich zuversichtlich, dass das Schmuckstück zum 200. Geburtstag seine Tore wieder öffnen kann.

Große Pläne schmiedet für dieses Datum bereits die 2009 neu ins Leben gerufene Opera Mauritius. Gründungsmitglied  war hier neben Dirigent Martin Wettges und Manager Paul Olsen ebenfalls Sopranistin Katrin Caine, die einst am Gärtnerplatz engagiert war, inzwischen aber eine neue Heimat auf Mauritius gefunden hat. Sie leitet dort einen jener Chöre, die heute zu den Säulen der ambitionierten Truppe zählen, und berichtet nicht ohne Stolz, dass man bei der „Lustigen Witwe“ im vergangenen Jahr erstmals alle Rollen komplett mit einheimischen Kräften besetzen konnte. Was dem Inselstaat nach wie vor fehlt, ist hingegen ein eigenes Orchester.

Das musste man für die im Abstand von ein bis zwei Jahren realisierten Produktionen bislang stets importieren. Bei der „Lustigen Witwe“ war der Graben zuletzt mit Mitgliedern der Studienstiftung des Deutschen Volkes besetzt; verstärkt durch erfahrene Kräfte wie Albert Ginthör, der gemeinsam mit drei seiner Kollegen aus dem Gärtnerplatzorchester die Insel und ihre Bewohner kennen und schätzen lernte. Denn das Quartett absolvierte keineswegs nur seinen Operetten-Dienst, sondern besuchte auch die Musikschule am Ort. „Es war wunderbar zu sehen, mit welcher Begeisterung die Jugendlichen bei der Sache waren. Da haben wir einige gehört, aus denen durchaus etwas werden könnte, wenn man genügend gut ausgebildete Lehrkräfte hätte, die mit ihnen arbeiten. Es ist zwar schön, wenn wir dorthin fahren und spielen, aber vor allem muss man versuchen, vor Ort etwas aufzubauen.“ Auch nach seiner Rückkehr ließ Ginthör nicht locker und organisierte beim Gärtnerplatz Open Airs eine Verlosungsaktion zugunsten der Mauritian Music Academy, deren Früchte nun geerntet werden konnten. Im Orchesterprobensaal des Gärtnerplatztheaters übergab man an den Freundes-Verein einen ersten Schwung Instrumente, die demnächst ihre Reise nach Mauritius antreten werden. Ein gutes Dutzend Geigen, Celli und sogar einen Kontrabass. Teils aus privaten Nachlässen, aber auch als Spenden aus den Reihen des Gärtnerplatzorchesters. Eine weitere Rückendeckung seiner Kolleginnen und Kollegen, die Ginthör besonders freut. Ebenso wie das große persönliche Engagement des Münchner Geigenbauers Roland Strobl, der dafür sorgte, dass einige der älteren Instrumente wieder in Schuss sind.

Geht es nach dem Willen des Vereins, sollen wichtige Aktionen wie diese übrigens keine  Einbahnstraße bleiben.  So  sorgte etwa schon die mauritischen Sängerin Rouhangeze beim Gärtnerplatz Open Air für Stimmung. Und auf Vermittlung von Dirigentin Eva Pons erhielt auch Tenor Jean-Michel Ringadoo nach der „Lustigen Witwe“ die Chance, als Gast an einer Produktion der Theaterakademie mitzuwirken. Anstecken lassen haben sich von der allgemeinen Begeisterung offenbar ebenfalls Gärtnerplatz-Intendant Josef E. Köpplinger und Chefdirigent Anthony Bramall, die bei der Übergabe kräftig mitapplaudierten und sich beide Gedanken machen wollen, was man in Zukunft vielleicht an ihrem Haus verwirklichen könnte. Die Achse München-Mauritius bleibt also hoffentlich weiter stabil.

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