Matte Gesänge

von Redaktion

Das Weihnachtsoratorium des Bach Collegiums München

„Jauchzet, frohlocket“ ist meist die erste Wahl, um mit einem Zitat in die Rezension eines Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach einzusteigen. Bei der jüngsten Aufführung von Chor und Orchester Bach Collegium München in der Philharmonie würde man hierfür allerdings eher in der Kantate Nr. 3 fündig, in der es heißt: „Lass dir die matten Gesänge gefallen.“

Denn obwohl für die Soli eine Reihe ausgewiesener Bach-Spezialisten versammelt war, gaben die vier nur selten ein homogenes Ensemble ab. Rundum überzeugen konnte einzig Catalina Bertucci, die ihren Sopran vor allem in der virtuosen Echo-Arie glänzen ließ. Johannes Chum war als studierter Theologe zwar eine logische und textdeutlich gestaltende Wahl für den Evangelisten. Bei den ebenfalls von ihm übernommenen Tenor-Arien büßte die angenehm timbrierte Stimme im Verlauf des Abends aber zunehmend an Geschmeidigkeit ein.

Genau wie Johannes Chum hat man auch seinen Bass-Kollegen Jochen Kupfer bei anderer Gelegenheit schon stärker erlebt. Er arbeitete sich zwar souverän, manchmal  jedoch ziemlich polternd durch seine Arien. Wobei er damit immer noch einen stärkeren Eindruck hinterließ als Kristin Mulders, die sich allzu zart durch die  Alt-Arien hauchte und mit der ungnädigen Akustik des Raumes zu kämpfen hatte.

Es blieb wieder einmal die Frage, ob die Philharmonie im Gasteig für Bach wirklich der ideale Ort ist. Gerade, wenn man seinen Werken mit schlank besetztem Chor und Originalinstrumenten begegnet. Dirigent Rubén Dubrovsky hatte sein Orchester nämlich auf ein historisches  Klangideal eingeschworen, das neben warmen Streichern und beherzt aufspielender Continuo-Gruppe freilich auch einige Intonationstrübungen bei den Bläsern offenbarte. Und an  dem in Sachen Balance bis zur demnächst anstehenden Matthäus-Passion gern noch etwas gefeilt werden darf. TOBIAS HELL

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