Pole ziehen sich an

von Redaktion

Der eine war 68, der andere 44 Jahre alt. Fast eine Generation trennte also Alfred Brendel von Simon Rattle, als sie 1999 die Klavierkonzerte mit den Wiener Philharmonikern aufnahmen. Der Pianist als spitzfindiger, hintergründiger, in den langsamen Sätzen wunderbar poetischer Humorist, der Dirigent als Sturmdränger, der an der historischen Aufführungspraxis geschult ist. Gegensätze, die sich befruchten – eine allen Moden enthobene Einspielung ist das (Decca). Legendencharakter hat eine fast aus ähnlicher Polarisierung entstandene Gesamtaufnahme mit Emil Gilels und George Szell (Warner). Ein bisschen in Vergessenheit geraten ist die Box mit einem, was Beethoven betrifft, Jahrhundertinterpreten: Friedrich Gulda ließ sich von Horst Stein am Pult begleiten (Decca). Stilistisch am meisten durchdacht, dabei Noblesse mit Überraschungsangriffen verbindend, all das glückte dem herrlich ungleichen Duo Pierre-Laurent Aimard und Nikolaus Harnoncourt (Warner).  th

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