Die Bibliotheken in Deutschland erleben ein neues Phänomen: „Es gibt von links wie von rechts Versuche, Buchbestände oder Veranstaltungen von Bibliotheken im jeweils politischen Sinne zu beeinflussen“, sagte Andreas Degkwitz, Bundesvorsitzender des Deutschen Bibliotheksverbands in Berlin. Das Bibliothekenpersonal bemühte sich sehr um ausgewogene Bestände und Veranstaltungen. Doch dies werde durchaus kritisiert, so Degkwitz. „Das bewegt sich zwar im einstelligen Prozentbereich. Aber dass es überhaupt dazu kommt, das ist für uns schon etwas Neues, dem wir selbstverständlich entgegenwirken.“ Degkwitz verweist auf die gesellschaftliche Bedeutung von Bibliotheken. Es gebe Orte und Vororte, in denen seien Banken durch Geldautomaten ersetzt, alle kleinen Geschäfte seien weg. „Was noch geblieben ist, ist die Bibliothek. Sie ist der einzige öffentliche Ort, wo man noch hingehen kann, um jemanden zu treffen.“
Der Schriftstellerin Juli Zeh (Foto: Bernd Settnik/dpa) gefällt ihre Arbeit am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg. „Dass ich als Verfassungsrichterin arbeiten darf, macht mich sehr froh. Als Verfassungspatriotin ist es mir eine Herzensangelegenheit, dem Rechtsstaat auf diese Weise zu dienen“, sagte Zeh. Es sei „hochspannend“, sich immer wieder in neue Fälle einzuarbeiten, die teils politische Brisanz hätten, teils direkt aus dem Alltagsleben gegriffen seien. Die 45-Jährige wurde im Januar 2019 im Landtag zur ehrenamtlichen Verfassungsrichterin Brandenburgs vereidigt. Im November wurde sie mit dem Heinrich-Böll-Preis ausgezeichnet. Zu Zehs bekanntesten Werken zählen der Bestseller „Unterleuten“ sowie die Romane „Spieltrieb“ und „Adler und Engel“. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in einem Dorf im brandenburgischen Havelland.
Der Künstler Gunter Demnig will so lange wie möglich sein Projekt „Stolpersteine“ fortsetzen, das mit Namensplatten in Bürgersteigen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. „Und wenn die Knie mal nicht mehr mitmachen, dann komme ich eben mit meinem Rollator und meinem eingebauten Hammer und verlege die Steine so“, sagte der 72-jährige Berliner der „Augsburger Allgemeinen“. Demnig hatte am Sonntag in Memmingen den 75 000. „Stolperstein“ verlegt. „Auch wenn jeder ,Stolperstein‘ ein Stein zu viel ist, freue ich mich über jeden Namen, den ich zurückbringen durfte“, sagte der Künstler. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“