Literarischer Brückenbauer

von Redaktion

„Meisterbiograf“ Rüdiger Safranski feiert am Neujahrstag seinen 75. Geburtstag

Rüdiger Safranski nimmt sich der Größen der Geschichte an und porträtiert sie so, dass auch Laien in den Bann gezogen werden. Er hat viel beachtete Biografien geschrieben, aktuell über Friedrich Hölderlin. Und er widmet sich, als Philosoph und Schriftsteller, den Fragen der Zeit. Safranski (Foto: Patrick Seeger/dpa) wird am Neujahrstag 75 Jahre alt. „Ich verstehe mich als Übersetzer, als literarischer Brückenbauer von der Geschichte in die Gegenwart“, sagt Safranski zuhause im beschaulichen Kurort Badenweiler an seinem Schreibtisch. Mit seiner Hölderlin-Vita, die er zu dessen 250. Geburtstag (im März 2020) geschrieben hat, ist er auch im neuen Jahr auf Lesereise. Gleichzeitig schreibt er an seinem neuen Werk. Es wird ein Sachbuch über den Einzelnen, das Individuum werden, wie Safranski im Gespräch sagt. Es soll Ende 2021 erscheinen.

Vor 35 Jahren, 1984, hat der in Rottweil geborene Philosoph und Schriftsteller sein erstes Buch auf den Markt gebracht – über E.T.A. Hoffmann. Seither ist er zum „Meisterbiografen“ aufgestiegen. So setzte sich Safranski mit Arthur Schopenhauer, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche auseinander. Und er widmete sich den Dichterfürsten Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Mit Erfolg: Safranski gehört zu den auflagenstärksten deutschen Philosophen der Gegenwart.

„Ich möchte grundsätzliche Fragen berühren, ohne die Bodenhaftung zu verlieren“, sagt Safranski. Er widme sich gerne dem Beginn des 19. Jahrhunderts, weil damals die heutige Gesellschaftsordnung geformt worden sei. „Wenn ich mich mit den Literaten von damals befasse, dann bekomme ich so auch Antworten auf aktuelle Fragen unserer Zeit.“ Safranski arbeitet im Wechsel, wie er sagt: „Nach einer Biografie kommt immer ein philosophisches Werk zu Grundsatzfragen.“

Politisch äußerte sich Safranski Ende 2015 während der Flüchtlingskrise. Wortwahl und Inhalt stießen auf Kritik: „Die Politik hat die Entscheidung getroffen, Deutschland zu fluten. Wenn die Kanzlerin sagt, Deutschland wird sich verändern, da möchte ich doch bitte gefragt werden.“ Dazu stehe er auch heute, sagt Safranski. Kämen zu viele Flüchtlinge, sei Integration irgendwann nicht mehr möglich. JÜRGEN RUF

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