Die Idee ist nicht neu, aber Katerina Poladjan spielt geschickt mit ihr: In „Hier sind Löwen“ verschränkt sie zwei Zeitebenen. Im Zentrum des Romans steht Helen, eine Restauratorin auf der Suche nach ihrer Identität. Sie ist nach Jerewan gekommen, um in der armenischen Hauptstadt ihre Fertigkeit zu vervollkommnen – und mehr über ihre Wurzeln zu erfahren. Eine Familienbibel wird ihr anvertraut. „Hank will nicht aufwachen“, hat jemand auf eine Seite gekritzelt. Mit diesem Satz nimmt die Autorin ihre Leser mit ins Jahr 1915, als eben jene Bibel das Einzige ist, das den Geschwistern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht bleibt. Anhand der Kinder erzählt sie vom Völkermord an den Armeniern – und den Folgen des Genozids, die bis in die Gegenwart reichen. „Hier sind Löwen“ beginnt spannend, verliert sich jedoch in der schematischen Dramaturgie. Leider ist das Buch schlecht lektoriert („Der Nachttopf war gelehrt“). leic