Du Stadt meiner Träume

von Redaktion

Jonas Kaufmann bekannte sich auch in München musikalisch zu seiner Wien-Begeisterung

VON MAXIMILIAN KAUFMANN

Es ist eine gute, wenn auch zwischendurch etwas eingeschlafene Tradition, dass sich gestandene Opernsänger auch ernsthaft mit traditionellem Wiener Liedgut auseinandersetzen: Heinz Zednik, Walter Berry, Erich Kunz sind nur einige Beispiele. Jonas Kaufmann hat es ihnen gleichgetan – jetzt in der Münchner Philharmonie. Wien liegt ihm am Herzen – das nimmt man dem bekennenden Hans-Moser-Fan ab.

Die Wiener Lieder stehen Kaufmann ausgezeichnet. Sowohl urige, althergebrachte wie „In einem kleinen Café in Hernals“ oder „Wien, du Stadt meiner Träume“ als auch symphonisch angehauchte, von Robert Stolz zum Beispiel „Im Prater blüh‘n wieder die Bäume“. Kaufmann trifft wunderbar geschmackvoll den Stil eines Chansonniers. Anschmiegsam, ehrlich, kunstvoll ist das, nie anbiedernd oder albern. Er stellt seine ganze Kunst in den interpretatorischen Dienst der Lieder. Großartig, wie er den Text auskostet und ihn beispielhaft auf die musikalischen Phrasen setzt. Darin und in so dosiert wie kunstvoll gesetzten kleinen „Schleifern“ zeigt sich seine immense Musikalität. Kaufmann wird für die Leute, die hinter ihm auf dem Podium der Philharmonie sitzen, verstärkt; nur für die Lieder, wie er betont – wollen wir es ihm mal glauben.

Auch in den Operettennummern überzeugt er, führt die Stimme schlanker als in letzter Zeit, die Höhen strahlen mehr. Ob er in Bälde den Eisenstein („Fledermaus“) in München singt? Schön wär’s! Die Orchesterstücke, etwa die „Tik-Tak“-Polka, können da nicht ganz mithalten, auch weil Dirigent Jochen Kupfer nicht alles an Verve und Walzer-Feinsinn aus der Prague Philharmonia rauskitzelt. Fulminant dagegen Rachel Willis-Sørensen, nicht nur in den Duetten mit Kaufmann. Sie bringt für die Operette alles mit: ein glutvoll vibrierendes Timbre, perlende Koloraturen, starke Mittellage und sichere Höhe bis zum hohen D. So gerät nicht nur „Klänge der Heimat“ zu einem der Höhepunkte des Konzerts. Zum Abschied singt Kaufmann leise „Servus“ und kommt sicher wieder. Dann vielleicht mit Münchner Liedern im Gepäck? Dieser Schatz wartet noch auf seine Wiederentdeckung.

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