Der Bau des neuen Konzertsaals in München für die BR-Symphoniker, das sogenannte Konzerthaus, rutscht in erhebliche Schwierigkeiten. Mehrere beteiligte Politiker und Planer berichten intern von exorbitanten Kostensteigerungen. Die bisherigen vagen Schätzungen werden nach Informationen unserer Zeitung gesprengt: Statt den anfangs angeführten über 150 und den zuletzt genannten 370 Millionen Euro stehen nun 500 bis 750 Millionen Euro im Raum. In der Landespolitik wird eine Notbremsung erwogen.
„Wie zu erwarten war, steigen die Kosten, und zwar sehr hoch“ bestätigte Ministerpräsident Markus Söder (Foto: Matthias Balk/dpa) am Mittwoch. Er habe noch keine genaue Schätzung. Söder äußerte sich intern alarmiert über die Kosten des von seinem Vorgänger Horst Seehofer befeuerten Projekts im Münchner Werksviertel. Tatsächlich waren ursprünglich ein großer sowie ein kleiner Konzertsaal geplant, ferner eine Art Werkstattbühne. Schuld an den neuen Zahlen sind mindestens zwei Faktoren. Die Inflation und steigende Baupreise heben Jahr für Jahr die Gesamtkosten schleichend an. Die neuen Akustik-Pläne von Tateo Nakajima sind weitaus komplexer. „Wir haben den Rahmen komplett gesprengt“, heißt es bei Beteiligten unverblümt. Auch baurechtlich würden alle Vorgaben, etwa in der Höhe, überschritten.
In der Landespolitik kursieren mehrere Szenarien. Die Mehrkosten zu schlucken, wäre möglich – würde aber zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Haushaltspolitikern im Parlament führen, die nicht jeden freien Euro in die Metropole zu schieben gedenken. Szenario zwei: Alles verkleinern, die Nebenräume streichen, keine neue Heimat für die Hochschule für Musik und Theater. 100 bis 200 Millionen Euro ließen sich so sparen. Szenario drei: Den Bau ganz kippen und an einen neuen Ort in München verlagern, etwa ins Museumsareal. Rechtliche Gründe stehen dem entgegen, und wohl auch Söder. Er sperrt sich außerdem gegen Gedankenspiele, das Projekt ganz zu beerdigen.
Der Ministerpräsident hat deshalb jetzt eine radikale Umplanung vorgeschlagen. Auf Initiative der Staatskanzlei läuft eine Machbarkeitsstudie an, ob die Säle ganz oder in wesentlichen Teilen in Holz gebaut werden können. „Das sollten wir dringend prüfen“, bestätigt Söder. Das könne ein weiteres „Alleinstellungsmerkmal“ des Bauprojekts sein. Holz ist billiger, wirkt ökologischer und würde wohl auch diskret umschreiben, dass das ganze Projekt neu geplant wird. Was vom gläsernen Klangkörper im Werksviertel dann noch übrig bliebe, ist offen. Bis Ende März soll die Studie vorliegen. Im Sommer sollen die Kosten neu berechnet werden, federführend von den Beamten des neuen Bauministers in Bayern. Wenn die Vorlage für den Landtag fertig ist, steht eine heikle politische Entscheidung an. An den vage angedachten Eröffnungstermin 2025 glaubt in der Staatsregierung offenbar niemand mehr, selbst dieses Jahrzehnt gilt als ungewiss.