„Blindes Vertrauen“ wird bei musikalischen Partnerschaften gerne betont. Diese gerade bei Kammermusik unverzichtbare Qualität haben Yuja Wang und Gautier Capuçon im Münchner Herkulessaal bewiesen: Weihevoll zelebriert schon in der mit geschlossenen Augen angestimmten, sanft dahinfließenden A-Dur- Sonate von César Franck, bei der es für Eitelkeiten keinen Platz gab. Klar im Vordergrund stand Capuçon – manchmal vielleicht ein wenig zu stark. Wobei man zugeben muss, dass das Klavier in Jules Delsarts Bearbeitung der für Violine verfassten Sonate nicht sehr gefordert ist. Während Yuja Wang hier noch zurückhaltend agierte, begannen sich die Kräfteverhältnisse mit Chopins „Introduction et Polonaise brillante“ auszugleichen. So war man bestens vorbereitet auf die
g-Moll-Sonate des Komponisten, bei der das Duo behutsam, aber deutlich ausgewogener an die Aufgabe heranging. Das Geben und Nehmen war besonders schön in den mittleren Sätzen zu beobachten, ehe man mit Astor Piazzollas „Grand Tango“ noch einmal das virtuose Element zu seinem Recht kommen ließ. TOBIAS HELL