So wild hatte sie sich gar nicht durch Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert gesägt. In den letzten Takten jedoch löste sich das Bogenhaar und verhedderte sich in den Saiten ihrer Geige. Eine Zugabe musste Janine Jansen also schuldig bleiben. Die Niederländerin begriff den Hit nicht als süßliches Schaustück, sondern spielte mit herbem Ton und Delikatesse, um zwischendurch immer wieder die Waffen zu zeigen. Absolut überzeugend war das ebenso wie Robert Schumanns erste Symphonie nach der Pause. Man erlebte in der Münchner Philharmonie, wie sehr Chefdirigent Antonio Pappano (Foto: Archiv) seit 2004 mit dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia zusammengewachsen ist – und wie viel er von diesem verlangen kann. Kein erdenschwerer, saftiger Romantiker war da zu erleben: Extrem wendig, geschlossen, reaktionsstark und nie zu präpotent wedelten die römischen Musiker durch die Partitur. Auch wenn bei diesem Vergleich der Klischee-Alarm droht: So südlich, so italienisch klang Schumann selten. Jubel, auch für Mozarts zugegebene „Figaro“- Ouvertüre. MARKUS THIEL