Der Mann hat Spaß. Die Orchestergruppen werden freundlich zum Einsatz geladen. Für die Sänger gibt es ein Augenzwinkern, wenn’s szenisch zum Zoff kommt, geht er auch mal gespielt empört dazwischen. Musikalische Phrasen werden gern wedelnd nachgezeichnet. Doch die dauerlächelnde James-Last-Attitüde hat eine Kehrseite: Mit Dirigieren hat das nur passagenweise zu tun.
Pianist András Schiff, Meister der Delikatesse bei Bach, Mozart und Schubert, probiert sich schon seit einiger Zeit am Pult aus. Als Einsätze verteilender Maestro im Klavierkonzert-Fall mag das funktionieren. Im Opern-Ernstfall, wie jetzt bei der Salzburger Mozartwoche zu erleben, nicht.
Schiff soll, so der Wille von Intendant Rolando Villazón, Mozarts drei Da-Ponte-Opern aufführen. Gestartet wurde in der Felsenreitschule mit „Le nozze di Figaro“ in Villazóns halbszenischem Arrangement. Mit der Cappella Andrea Barca – der Name spielt auf den Chef an – pflegt Schiff einen behaglich-munteren Stil. Manch Harnoncourt-geschultem Musiker (der Konzertmeister Erich Höbarth spielte im Concentus Musicus) müsste das sauer aufstoßen: Statt Klangdiskurs gibt es Klangplaudern.
Schlimmer ist, dass vieles schief geht. Das Zusammenspiel klappert, Irritationen häufen sich, die Solisten singen weitgehend nach Gehör: Schiff, der am Hammerklavier die Rezitative begleitet, dirigiert fast durchwegs hinterher. Die hervorragenden Solisten ziehen ihre Partie in Eigenregie durch. Christiane Karg (Gräfin) knüpft in ihrer bestechend klugen Gestaltung an die legendäre Elisabeth Schwarzkopf an. Florian Boesch gibt den Grafen als verkniffenen Boxer und singt auch gern so.
Regula Mühlemann ist eine sehr lyrische, quirlige Susanna, Angela Brower ein starker, ironisch-maskuliner Cherubino. Julien van Mellaerts, erst seit 2017 mit dem Studium fertig, verfügt als Figaro über eine vielversprechende, helle, gut durchgebildete Stimme. Und Barockexpertin Julia Lezhneva als überpräsente Barbarina ist eine charmante Fehlbesetzung. Villazón lässt in seiner szenischen Einrichtung mit Requisiten aus dem Fundus die Kollegen gewähren, gestattet sich kleine Gags. Jubel, vereinzelt Standing Ovations. Wie 2021 „Don Giovanni“ funktionieren soll, wissen nur die Musikgötter.