In Erwartung von Sturmtief Sabine wurde am Sonntag offenbar reichlich Sonne getankt – was Grund gewesen sein mag für die mauen Besucherzahlen beim Konzert der Münchner Symphoniker im Herkulessaal. An der Spielfreude und dem Programm jedenfalls kann es nicht gelegen haben: Der Klangkörper und sein charismatischer Dirigent Kevin John Edusei haben einmal mehr ihre Ambitionen im hochkarätigen Münchner Orchesterleben untermauert.
Stürmisches wurde schließlich auch hier geboten. Zunächst Ludwig van Beethovens selten gehörtes und oft unterschätztes Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“, dem eine hochinteressante Auffrischung verpasst wurde: Statt Tanzeinlagen steuerte Regisseur und Dramaturg Dirk Diekmann eine Textmelange aus Aischylos und Beethovens „Heiligenstädter Testament“ bei, die den Prometheus-Mythos unmittelbar mit dem Komponisten-Schicksal verknüpft.
Zwischen und während der Nummern, die Edusei und sein Orchester mit Bedacht und Geschmack servierten, stellte Schauspieler Stefan Hunstein (Foto: Klaus Haag) den ertaubenden Beethoven in kraftvoll leidender und stürmisch hoffender Deklamation als allzu menschlichen Helden dar: „Die Musik soll dem Manne Feuer aus dem Geist schlagen.“ Wann ist ein Held ein Held? Diese Frage bildete den roten Faden des Programms, das gerade im Festsaal der Residenz mit seinen riesigen, die antike Herkules-Sage darstellenden Wandteppichen, sinnlich eingefasst wurde.
Dies umso mehr nach der Pause mit Richard Strauss’ „Heldenleben“. Oft wird der symphonischen Tondichtung ein Übermaß an Pathos unterstellt – tatsächlich aber schaffte es Kevin John Edusei mit seinem unaufgeregt eleganten und planvollen Dirigat, jegliche übersteuerte Inbrunst zu vermeiden. Anstatt einen tönenden Helden-Sockel zu meißeln, betonten er und sein Ensemble die moderne Klangsprache der Komposition – und ernteten dafür sürmischen Applaus. ANNA SCHÜRMER