München liegt am Mississippi

von Redaktion

Dr. Will über sein neues Album „I want my Money back“

VON CHRISTOPH ULRICH

Wenn Dr. Will am Werk ist, weiß man nicht so recht, ob München nun an der Isar oder am Mississippi liegt. Mit „I want my Money back“ legt der Voodoo-Heiler sein siebtes Album vor, das sehr international klingt – und doch eine echte Münchner Arbeit ist (CD-Kritik auf Seite 17).

Nach den Vorgängerproduktionen war Dr. Will nach Experimenten zumute: „Beim vergangenen Album wollte ich bewusst eine richtige Rock-Platte machen und darauf nichts anderes hören als Gitarre, Bass und Schlagzeug“, sagt er, der laut Personalausweis Will Hampel heißt und mit seinem älteren Bruder Schorsch zur bayerischen Blues-Prominenz gehört. Entstanden ist nun eine CD, die in den USA sehr wahrscheinlich auf jeder Blues- oder Rock-Radiostation von den Rockys bis in die Sümpfe Louisianas laufen würde und deutlich ruhigere, melodiösere und dabei vielfältigere Töne anschlägt als bisher.

Zu Beginn der Aufnahmen begab sich der Hexer in die Tiefen seiner Vorratskammer: „Von den vorhergegangenen Alben waren Songs übrig, die damals nicht gepasst haben, die ich aber unbedingt weiter verfolgen wollte.“ Dabei stieß Dr. Will auch auf Stücke, die bereits erschienen waren, die er aber – anders arrangiert – gut fürs aktuelle Projekt übernehmen konnte. Eingespielt wurde schließlich alles im Münchner Downhill Studio.

Bei der Verwirklichung seiner Experimente halfen Dr. Will die Mitglieder seiner getreuen Band The Wizards, nämlich Saschmo Bibergeil (Gitarre), Uli Kuempfel (Banjo, Mandoline) und Jürgen Reiter (Kontrabass). Dazu kamen zahlreiche Musiker-Freunde aus dem über die Jahre stattlich angewachsenen Adressbuch der Praxis Will. Am Schlagzeug beispielsweise wirkte Oscar Kraus, der sonst bei Ludwig Seuss oder Claudia Koreck aktiv ist, während der Montreux-erprobte Pianist Matthias Bublath sämtliche Tasteninstrumente von Wurlizer-Piano bis Hammond-Orgel bediente.

Wills Bruder Schorsch Hampel steht ebenso auf der Gästeliste wie die Bluesrock-Röhre Claudia Cane, die unter anderem Background-Gesang beisteuerte. Apropos Gastsängerinnen: Mit Sandy Beach kelterte Dr. Will eine düster-bluesige Version des Hazlewood-Sinatra-Klassikers „Summer Wine“, die durchaus für sich allein stehen kann und nur darauf wartet, im nächsten Tarantino-Streifen Verwendung zu finden.

Überhaupt würden sich weite Teile der CD gut als Untermalung für so manchen Film eignen, der sich abseits der gängigen Hollywood-Klischees bewegt. „Ich steh’ schon sehr auf diese Nachtclub-Welt, das Anrüchige reizt mich“, sagt Dr. Will. Entsprechend spielen seine Songs oft in einer Halbwelt, die sowohl an der Isar als auch am Mississippi liegen könnte: Kaschemmen gibt’s schließlich dies- und jenseits des Atlantiks und entsprechende Besucher mit vielfältigen Geschichten ebenso.

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