Macht und Verantwortung. Sind das Themen für Kinder? Sie sind auf jeden Fall Teil ihres Alltags. Nehmen wir nur die Haustiere: Man kann mit ihnen spielen, sie dressieren, muss sie aber auch pflegen und füttern. In Schulprojekten hat sich das Ensemble der Münchner Schauburg dieses Thema „erspielt“ und es nun zusammen mit dem israelischen Regisseur Ariel Doron in das buchstäblich mitreißende Stück „Alarm im Streichelzoo“ eingebaut.
Hier wird das Publikum nicht nur Zeuge der Geschichte um die drei lebensgroßen, plüschigen und kulleräugigen Hamster Hermi (Clara Palau y Herrero), Hank (Simone Oswald), Bubbles (Helene Schmitt) und ihren Pfleger Charlie (Hardy Punzel). Es rutscht, rechts und links des im Zentrum aufgebauten, Boxring-artigen Käfigs platziert (Ausstattung: Anni Josephine Enders), zunehmend hinein ins Geschehen. Anfangs nur spielerisch, indem kleine Zuschauer die Kuschelwesen entzückt füttern und streicheln.
Doch als Charlie auf Kommando einer Ärztin aus dem Off Hank gegen dessen Willen abführt und schließlich so geschwächt zurückbringt, dass der Hamster stirbt, ist der Spaß vorbei. Plötzlich herrscht Stille im Zuschauerraum. Und als die Ärztin auch Bubbles einfordert, verschwimmen Fiktionalität und Realität. Einige Kinder beobachten gespannt. Andere fühlen sich verantwortlich, versuchen, die Hamster zu beschützen. Wer wird hier manipuliert – die Figuren oder die Zuschauer? Darf man in ein Theaterstück eingreifen? Wer hat die Macht, wer die Verantwortung? Wie viel Zivilcourage ist angebracht?
Während die Erwachsenen distanziert-irritiert auf der Tribüne verharren, lassen sich manche Kinder, gefesselt von dieser mit viel Darstellerlust präsentierten Geschichte, auf das Machtspiel ein. Die Folge: Jede Vorstellung verläuft anders, die Improvisationsleistung von Ariel Doron und seinen Schauspielern ist immens. Keiner weiß, wie alles endet. Eine spannende Herausforderung für Theater und Publikum zugleich, die – ganz im Sinne Dorons – für viel Diskussionsbedarf sorgt. Berechtigtes Urteil einer jungen, sichtlich aufgewühlten Zuschauerin: „Das Stück ist schrecklich schön!“
Nächste Vorstellungen:
10. März (ausverkauft), 29. und 30. April sowie 2. Mai; Telefon 089/23 33 71 55.