Schätze für alle

von Redaktion

Neuzugänge beim Literaturarchiv der Monacensia

VON ALEXANDER ALTMANN

Schriftsteller sind keine weltfremden Träumer, sondern oft sehr pragmatisch. Sten Nadolny zum Beispiel, der 1942 geborene Autor des Bestsellers „Die Entdeckung der Langsamkeit“, hat jetzt seinen sogenannten Nachlass zu Lebzeiten an das Münchner Literaturarchiv Monacensia verkauft. Und beim Pressegespräch erklärte er unumwunden, die Übergabe diene auch „dem Zweck, meine Wohnung wieder etwas bewohnbarer zu machen“.

Als gelernter Historiker hat der im Chiemgau aufgewachsene Nadolny allerdings professionellen „Respekt vor Archiven“; darum sehe er es als „sportliche Aufgabe“, seine literarische Hinterlassenschaft geordnet zu übergeben. Für Monacensia-Chefin Anke Buettner ist freilich auch die „große Signalwirkung“ wichtig, die es hat, wenn so prominente Schriftsteller wie Sten Nadolny die Monacensia als geeigneten und würdigen Ort für ihren Nachlass ansehen.

Aber noch einen weiteren wichtigen Neuzugang gibt es zu vermelden. Auch die Münchner Autorin Barbara Bronnen (1938-2019) hat der Monacensia testamentarisch ihren literarischen Nachlass vermacht. Darin, so war zu erfahren, befindet sich unter anderem das Manuskript eines unveröffentlichten erotischen Romans. Und in nicht allzu ferner Zukunft wird diesen Text sogar jeder zu Hause am Computer lesen können, weil das Werk wie alle anderen Nachlass-Dokumente digitalisiert und ins Internet gestellt wird.

Man mag daran den revolutionären Fortschritt ermessen, den das Digitalzeitalter dem Archivwesen bringt: Was bisher nur Spezialisten nach aufwendigen Wegen in Archive zugänglich war, können wir uns nun bequem auf den Schirm holen (monacensia-digital.de). Etwa die 75 000 Manuskript- und Briefseiten von Waldemar Bonsels (1880-1952), dessen Nachlass die Monacensia seit Jahrzehnten hütet und derzeit in Kooperation mit der Waldemar-Bonsels-Stiftung einscannt. Darunter auch das Originalmanuskript seines berühmtesten Werkes, der „Biene Maja“.

Dass Bonsels, der sich im „Dritten Reich“ den Nazis andiente, noch ein Faible für flotte Bienen ganz anderer Art hatte, zeigen seine Notizbücher, in denen sich „teilweise sogar Fotos von unbekannten Damen“ finden, wie Regina Sasse von der Bonsels-Stiftung mitteilte. Dass all der Fortschritt nicht umsonst ist, übersehe die Politik allerdings, beklagte Anke Buettner: Digitalisierung könne man nicht nebenbei mitbetreuen, sie brauche Spezialisten. Sonst gehe es „auf Kosten der Gesundheit aller Beschäftigten“.

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