Jetzt also auch die Museen. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler teilte mit, dass der Freistaat von diesem Samstag an staatliche Museen, Sammlungen, Archive und Bibliotheken schließe. Wie bei den Theatern und Opernhäusern gilt diese Regelung vorerst bis zum Ende der Osterferien am 19. April. „Mir ist bewusst, dass unsere Einrichtungen eine große Bedeutung für das kulturelle und wissenschaftliche Leben haben“, erklärte Sibler. Mit der Schließung wolle man helfen, die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Die Stadt München folgt dieser Entscheidung und schließt alle städtischen Museen, Bibliotheken sowie die Volkshochschule – vorerst bis 19. April.
Ja, die Zeiten für öffentlich gelebte Kunst und Kultur sind derzeit schlecht. Nachdem am Dienstag alle Veranstaltungen in Bayern mit mehr als 1000 Gästen verboten wurden, empfahl Ministerpräsident Markus Söder am Freitag, noch einen Schritt weiterzugehen: „Alles was über 100 ist, sollte eigentlich nicht stattfinden“, sagte der CSU-Politiker – und kündigte „eine Art Anzeigepflicht bei den Kreisverwaltungsbehörden“ an. Nun trifft es also auch die kleinen Theater und Spielstätten.
Eine Ausnahme ist das GOP Varieté-Theater in München. Im Haus an der Maximilianstraße feierte am Donnerstag die Show „La Strada“ Premiere (Kritik siehe Seite 18). Die Verantwortlichen erklärten am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir warten ein endgültiges Verbot ab und spielen bis dahin weiter.“ Im „Quatsch Comedy Club“ in der Nachtkantine im Werksviertel handelt man ähnlich. Sprecherin Lavinia Reinke sagte: „Wir werden auf jeden Fall noch dieses Wochenende geöffnet haben. Wir haben aber lockerer bestuhlt, sodass die Abstände zwischen den Gästen größer sind.“ Christian Waggershauser, Chef des Muffatwerks, erklärte hingegen: „Wir bereiten gerade die sofortige Absage beziehungsweise Verschiebung ausnahmslos aller Veranstaltungen ab sofort bis einschließlich 19. April vor – auch derer, die derzeit noch genehmigungsfähig wären.“ Das Münchner Lustspielhaus, die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, der Milla Club und das Vereinsheim Schwabing teilten mit, dass in allen Bühnen von diesem Samstag an bis 19. April der Spielbetrieb eingestellt sei. Das Wirtshaus im Schlachthof sperrt von Montag an zu – ebenfalls bis zum Ende der Osterferien. Geschlossen hat auch das Backstage unweit der Friedenheimer Brücke, wobei Geschäftsführer Hans-Georg Stocker eventuell den Kneipenbetrieb und bei schönerem Wetter den Biergarten öffnen will.
Die Lichtspielhäuser bleiben dagegen (vorerst) geöffnet, heißt es auf Anfragen unserer Zeitung. „Wir hoffen, dass die Leute weiterhin ins Kino gehen“, sagte Christine Berg vom Hauptverband Deutscher Filmtheater. Die Kinos hätten sich auf die Situation eingestellt. Einige Häuser würden etwa den Online-Kartenverkauf empfehlen und insgesamt weniger Tickets verkaufen, damit mehr Platz im Saal sei.
Derweil appelliert der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK): „Natürlich müssen und werden wir den derzeitigen Entwicklungen folgen. Gesundheit geht schließlich vor“, so Maresa Bucher. „Dennoch dürfen wir nicht vergessen: Die Krise bedroht viele freie Künstlerinnen und Künstler essenziell in ihrer Existenz. Das hat mit den Absagen von Kunstmessen begonnen – hier wurde viel Kraft und auch Geld im Vorhinein von den einzelnen Kunstschaffenden investiert. Weil die Absagen als höhere Gewalt gelten, greift jedoch keine Versicherung. Daher unser Appell an die Politik: Vergesst die Selbstständigen nicht. Ausgleichszahlungen sind unabdingbar.“