Die Tragik beim Oscar-Kandidaten „Marriage Story“ war, dass es alle gut miteinander meinten – aber am Scheidungsrechts-System zerbrachen. In „Loveless“ von Andrey Zvyagintsev gibt’s keinen guten Willen. Zhenya und Boris wollen sich gegenseitig wehtun – und ihren Sohn am liebsten ins Internat abschieben. Als der Bub verschwindet, macht das die Gräben nur offenbarer. Der Gewinner diverser europäischer Filmpreise verfolgt die Lieblosigkeit durch alle Generationen. In kühl klarsichtigen Bildern (leider nur auf DVD, obwohl ihnen HD-Schärfe getaugt hätte) zeichnet er eine Welt der immer weitergegebenen Pein. Er hat dabei Verständnis, warum seine Figuren so wurden – aber weder Mitleid noch Gnade. Und im Hintergrund immer eine scheinheilige russische Gesellschaft zur Zeit des Ukraine-Konflikts 2012. Herb, eindrucksvoll – und vielleicht ein bisserl gewollt trostlos. wil