Gewissensfrage: Darf man sich in Zeiten wie diesen freuen? Die Wirtschaft liegt darnieder, Mitbürger werden krank – und man selbst denkt bei angedrohtem Zwangsurlaub als Erstes: Wie schön, endlich mal wieder Zeit, ins Museum zu gehen. Denkste. So ist das nämlich mit egoistischen Gedanken – die Strafe folgt sogleich. Wie berichtet, mussten vergangene Woche auch die bayerischen Museen ihren Betrieb einstellen. Nichts mit einem Ausflug nach Bernried ins Buchheim Museum oder zum „Blauen Reiter“ am Königsplatz. Nun ja, zumindest nicht leibhaftig. Das Coronavirus mag durchsetzungsstark sein – die Firewall des Computers wird nicht von ihm überwunden. Die meisten bayerischen Museen bieten auf ihren Internetseiten sehenswerte Einblicke. Sie haben Lust und (viel) Zeit, Kunst online zu genießen? Bitte sehr!
Pinakotheken
Besonders umfangreich: die Inhalte der Homepage der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. „17 Museen, 25 000 Kunstwerke, eine Sammlung“, heißt es auf der Startseite www.pinakothek.de. Tatsächlich ist der gesamte Bestand der Münchner Häuser (Pinakotheken, Museum Brandhorst, Sammlung Schack) sowie der Staatsgalerien in Bayern hier zu finden. Das gigantische Angebot ist thematisch geordnet; beispielsweise nach Kategorien wie Landschaften, Stillleben, Skulpturen oder chronologisch nach Epochen von der Altdeutschen Malerei (1300-1550) bis zur Kunst von heute. Leider fehlen bei einigen Werken der Moderne die Abbildungen – sie dürfen aus Urheberschutzgründen nicht gezeigt werden. Das Angebot wird rege genutzt: 137 234 Besuche und 644 509 Seitenaufrufe verzeichnete die Onlinesammlung im Jahr 2019, heißt es auf Anfrage.
Lenbachhaus
Farben! Farben! Farben! Die kann das getrübte Gemüt gerade gut gebrauchen. Das Leuchten von Werken wie Wassily Kandinskys „Impression III (Konzert)“ von 1911 oder Franz Marcs „Kühe, rot, grün, gelb“ (1911) ist freilich am eindrucksvollsten, wenn man die Werke selbst an den Wänden des Lenbachhauses betrachten kann. Doch auch am Bildschirm machen sie Eindruck – und schenken Hoffnung. In Kandinskys „Murnau“ wird sich mancher, der gerade Home Office in dem oberbayerischen Ort macht, wiederfinden. Untertitel: „Blick aus dem Fenster“…
Staatsbibliothek
Während viele Häuser zwar ihre Bestände online präsentieren, jedoch nicht nach Ausstellungen sortiert, kann man in der Staatsbibliothek München (Stabi) die derzeitige Schau „MÜNCHEN, SCHAU her!“ online von vorne bis hinten abschreiten. Unter www.bsb-muenchen.de/virtuelle-ausstellung-muenchen-schau-her sind sämtliche 250 Aufnahmen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er-Jahre zu sehen, die derzeit in der Stabi hängen. Die Stadt und das Umland erkunden, ohne die Wohnung zu verlassen – praktisch, nicht nur in Corona-Zeiten.
Buchheim Museum
Zugegeben, ein Ausflug ins Buchheim Museum lebt auch von der Anreise nach Bernried und dem Genuss dieses pittoresken Örtchens. Tipp: auf dem Balkon ein Picknick bereiten, Laptop nehmen – und sich im Sonnenschein durch die Online-Bildergalerie des Hauses klicken. Unter sammlung.buchheimmuseum.de erfährt man viel Wissenswertes über die Provenienzforschung der Werke und kann seine liebsten Bilder betrachten.