„Wir kommen zu Ihnen“

von Redaktion

Kostenlose Internetangebote von den Berliner Philharmonikern bis zum Marionettentheater

VON MARKUS THIEL

Über ein unmittelbares Erlebnis, ob im Theater oder im Konzertsaal, geht nichts, ganz klar. Doch ohne Kultur geht es erst recht nicht – umso erstaunlicher ist es, wie derzeit die Internetangebote der Veranstalter ausgeweitet werden. Was die Übertragung von Musik im Netz betrifft, sind die Berliner Philharmoniker mit ihrer „Digital Concert Hall“ Vorreiter in Deutschland. Bislang gab es dieses Angebot nur per Abo oder per Einmalzahlung pro Konzert. Jetzt ist der Service kostenlos für alle. „Die Philharmonie ist geschlossen, wir kommen zu Ihnen“: Das ist das Motto dieser Aktion, dank der die Musikfreunde nun eines der besten Orchester mit den besten Dirigenten und Solisten erleben können. Angeboten werden über 600 Konzerte aus mehr als zehn Jahren.

Ähnlich reagiert die Wiener Staatsoper. Das Haus am Ring kramt in seinen Archiven und sendet derzeit täglich die Aufzeichnung einer Opern- oder Ballettvorstellung. Heute zum Beispiel kann man ab 19 Uhr „Tri Sestri“ von Péter Eötvös mit ihm selbst am Pult erleben, morgen gibt es ab 17 Uhr Wagners „Walküre“ mit Simon Rattle am Pult. Wie bei den Berliner Philharmonikern braucht es dazu nur eine unkomplizierte Registrierung per Computer. Auch eines der aufregendsten Häuser Mitteleuropas, die Stuttgarter Staatsoper öffnet sich auf ungewohnte Weise dem Publikum. Dort stellt man unter dem Motto „Oper trotz Corona“ noch bis diesen Freitag eine Aufzeichnung von Mozarts „Le nozze di Figaro“ gratis zur Verfügung, danach geht’s weiter mit der nächsten Produktion.

Über ein mehr als reich gefülltes Archiv verfügt BR Klassik. Auch auf dieser Webseite werden Konzert-Videos angeboten – von Beethoven in Club-Atmosphäre bis zu Beethovens Neunter mit Bernard Haitink. Von direkten Livestreams sieht man allerdings ab. Man wolle die Mitglieder der hauseigenen Klangkörper vor einer Ausbreitung des Coronavirus schützen, heißt es aus dem Bayerischen Rundfunk.

Wer nun findet, all diese Programmangebote seien doch nur etwas für arrivierte, ergraute Besuchergruppen, der sollte sich ans Münchner Marionettentheater halten. Für die jungen Zuschauer reiht sich das Haus in die Streaming-Angebote ein. Am kommenden Samstag zeigt es ab 20 Uhr Mozarts „Zauberflöte“ nach einer Inszenierung von Siegfried Böhmke kostenfrei auf Youtube, Facebook und www.muema-theater.de. Bei entsprechender Nachfrage soll diese Aktion fortgesetzt werden.

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