Mit seinem 250. Geburtstag dominiert Ludwig van Beethoven das Jahr 2020. Und dies weltweit in allen Sälen und auf allen Kanälen. Mit einer ordentlichen Portion Lokalpatriotismus ruft uns die Carl-Orff-Stiftung daher nun in Erinnerung, dass auch ihr Namenspatron aktuell ein Jubiläum begeht. Auch, wenn es in seinem Fall „nur“ der 125. ist und die Feierlichkeiten sich abseits des jährlich stattfindenden Orff-Festivals Andechs und Ammersee eher als einzelne, großflächig verteilte Termine manifestieren.
Wer bis Jahresende die bayerischen Lande bereisen will, hat zwischen Bamberg, Bad Kissingen, Marktoberdorf oder Kaufbeuren dennoch reichlich Gelegenheit, um jenseits des berühmten „O Fortuna“-Chores auch die eine oder andere Rarität des bayerischen Komponisten kennenzulernen. Die wird dann wohl wieder bis zum nächsten Jubeljahr im Archiv schlummern. So gibt es etwa in Nürnberg und Andechs die zuletzt anlässlich der Jahrtausendwende im Münchner Prinzregententheater gespielte „De temporum fine comoedia“ zu entdecken, deren Ankündigung inzwischen von einer gewissen tragischen Ironie begleitet wird.
Aber zum Glück steht auch viel Humorvolles auf dem Programm. So etwa „Der Mond“ in Fürstenfeldbruck oder gleich sieben Mal „Astutuli“, Orffs Variante von „Des Kaisers neue Kleider“. Letzteres unter anderem in Blaibach, wo Thomas E. Bauer als künstlerischer Leiter die Werbetrommel rührt. Er erinnerte sich bei der Programmpräsentation – vom Rest des Podiums mit leuchtenden Augen beobachtet – noch einmal daran, wie er als Regensburger Domspatz dem Meister selbst die Hand schütteln durfte. „Und wenn Sie schon immer mal einen nackten Intendanten sehen wollten, kommen Sie zu uns in den Bayerischen Wald!“ Wobei dies nicht der einzige skurrile Moment des Pressetermins war.
Dazu zählte auch die Ankündigung eines Abends im Münchner Künstlerhaus, bei dem „die ‚Trionfi‘ diesmal sogar komplett zu erleben sein werden, wenn auch nur in Auszügen“. Trotzdem eine nette Chance, die „Carmina burana“ zur Abwechslung auch einmal wieder im ursprünglich geplanten Kontext dieses musikalischen Triptychons zu hören. Und es beruhigt, dass dieser volle Kassen garantierende Selbstläufer – von dem die Website bayernweit gleich 15 Termine listet – bei Einzelaufführung von der finanziellen Unterstützung ausgenommen ist. Da sind die öffentlichen Gelder bei den Meisterkursen, einem Jazzprojekt oder einer Ausgrabung wie dem „Prometheus“ in Bayreuth dann nämlich doch sinnvoller investiert.
Informationen
zum ganzen Programm:
www.orffjahr2020.bayern.de.