„Power“ – ein Buchtitel wie eine Kampfansage. Es ist der Name des Hundes einer Dorfbewohnerin, der verschwunden ist. Mit ihm schwindet auch die Kraft des Miteinanders. Kerze, ein elfjähriges Mädchen, nimmt sich der Suche nach dem Hund an. Immer mehr Kinder folgen ihr. „Alle Kinder sind verschwunden, außer den Babys. Aber die, die laufen können, die sind alle weg.“ Es sind drastische Bilder, die Verena Güntner in ihrem dystopischen Roman wählt. Die Kinder nehmen animalische Eigenarten an, verwandeln sich in ein Rudel, das sich im Wald zusammenrauft. Die Eltern palavern über die Situation, wehklagen über das Verschwinden, doch tun so richtig – nichts. Stattdessen machen sie den jeweils anderen für die Situation verantwortlich und hetzen gegeneinander. Las man das Buch vor wenigen Wochen, tat man es unter dem Eindruck der Proteste von „Fridays for Future“. Als erschreckendes Szenario, was mit einer Gesellschaft passiert, die den Bezug zur nächsten Generation verliert und die Verantwortung ihr gegenüber verdrängt. In Zeiten der Corona-Pandemie bekommt dieses starke Stück eine neue, bedrohlich reale Komponente: Wie egoistisch ist der Mensch, wenn es gilt zusammenzuhalten? kjk
Lesenswert ((((;