Um Teenagern das Phänomen Nena zu erklären, lohnt der Blick in alte Zeitungen. Sie sei „der scharfe Spritzer Ketchup, den die junge Pommes-frites-Generation gesucht und gefunden hat“, schrieb die „Bunte“ 1983 über Gabriele Susanne Kerner aus Hagen, genannt Nena. Sie, die heute ihren 60. Geburtstag feiert, schwamm Anfang der Achtzigerjahre auf der Neuen Deutschen Welle weit oben.
Den Namen Nena verdankt sie einem Spanien-Urlaub. Die Kinder dort hätten ihr immer „Niña“ („Kleine“) hinterhergerufen. Sie selbst hat daraus Nena gemacht. Zunächst war sie Sängerin der Band The Stripes. Die brachte es zu einigen TV-Auftritten, der Durchbruch blieb aber aus. Mit Lebensgefährte Rolf Brendel zog Nena nach West-Berlin, gründete die nach ihr benannte Band und stieg furios auf. 1982 wurde Nena in der ARD-Sendung „Musikladen“ quasi über Nacht mit der Single „Nur geträumt“ bekannt.
Die für einige energiegeladene, für andere anstrengende Nena brachte als zweite Single 1983 „99 Luftballons“ heraus. Das Lied erfasste die Sorgen der Menschen im Kalten Krieg, es wurde weltweit ein Hit. Wie bei den meisten Stars der Neuen Deutschen Welle war der Erfolg aber schlagartig vorbei. Auch Nenas Beziehung zu Brendel scheiterte.
1989 starb ihr behindert zur Welt gekommener Sohn Christopher mit elf Monaten. Nach dem Schicksalsschlag forcierte Nena ihre Solokarriere und moderierte im Fernsehen. Der große Erfolg kehrte zurück, als sie alte Hits neu einspielte. Die einst Flippige präsentiert sich mittlerweile gereift und wurde über den Boom der Castingshows auch für die junge Generation ein Begriff. Nena, die nach dem Tod von Christopher noch vier Kinder mit ihrem Lebensgefährten Philipp Palm bekam, vertrat neben ihrer Kunst stets alternative Lebensformen. Sie ist Veganerin, nannte sich einmal einen Fan des Sektenführers Bhagwan und gründete in Hamburg eine Schule. Von Juni bis Oktober plant sie sechs Konzerte, darunter eines am 17. Juli in Rosenheim. RALF ISERMANN