Cineastische Spiegelsplitter

von Redaktion

Der 14 Stunden lange Episodenfilm „La Flor“ ist jetzt fürs Heimkino erschienen

VON THOMAS WILLMANN

„Ende gut, alles gut“, sagt man. Was aber ist mit Geschichten ohne Ende? Vier seiner Episoden lässt „La Flor“ (Die Blume) ins Offene ragen, bricht sie mitten in Handlung und Spannungsbogen ab. Regisseur Mariano Llinás interessiert anderes als die Frage „Wie geht’s aus?“

Beim Filmfest München und im Werkstattkino hat die argentinische Produktion schon für Aufsehen gesorgt. Zunächst schlicht wegen ihrer Rekordlänge: 14 Stunden – in sechs Episoden, acht Akten, offiziell auf drei Tage zu verteilen. Aber es lohnt sich auch jenseits des sportlichen Ehrgeizes, den Cineasten-Marathon zu bezwingen. Der Filmfluss ist gemächlich, doch meist kann man sich gut davon treiben lassen. Er ist nicht betont sperrig, prätentiös. Mit spürbarer Lust am Filmemachen spielt „La Flor“ mal Horror-B-Picture über aztekischen Mumienfluch, mal Melodram über ein Liedermacher-Paar, verschränkt mit Geheimbund-Thriller. Dann ist er wieder weltumspannender Agentinnenfilm oder stumme, schwarz-weiße Gaucho-Variante von „Eine Landpartie“. Und Regisseur Llinás hat Selbstironie, augenzwinkert ob der Länge, parodiert die eigenen Dreharbeiten.

Wann wäre die Gelegenheit günstiger, sich nun daheim an „La Flor“ (im vielsprachigen Untertiteln) zu versuchen? Beim Anbieter Absolut Medien ist er auf DVD und Blu-ray erschienen. Und der Verleih Grandfilm bietet ihn (wie andere Sehenswürdigkeiten aus dem Programm) aktuell episodenweise auf seiner solidarischen Streamingseite „Grandfilm on Demand“ unter grandfilm.de/grandfilmondemand, die mit der Hälfte des Gewinns unabhängige Kinos während der Zwangspause unterstützt.

Was „La Flor“ zusammenhält, sind Leitmotive, etwa Gefangenschaft. Vor allem aber die vier Schauspielerinnen von der Theatertruppe Piel de Lava: Elisa Carricajo, Pilar Gamboa, Valeria Correa, Laura Paredes – die als Filmgestalten stets faszinieren. Über alle Rollen, Genres, Welten setzt „La Flor“ ein Spiegelsplitter-Porträt dieser vier Frauen zusammen. Und hallt dabei über das Ende seiner 837 Minuten nach.

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