Im Umfeld der Brücke-Künstler

von Redaktion

Das Buchheim Museum tröstet mit Film über einen Rahmen-Forscher

VON KATRIN HILDEBRAND

O wie schön ist doch die Welt der Kunst! Wobei: Noch schöner ist manchmal die Welt derjenigen, die sich mit der Kunst beschäftigen. Einer davon ist der Thalkirchner Rahmenmacher Werner Murrer. Für eine Ausstellung des Buchheim Museums Bernried fuhr Murrer quer durch Deutschland und in die Schweiz, immer auf der Spur der Originalrahmen der Brücke-Künstler.

Was zunächst schräg klingt, ergibt durchaus Sinn. Die Mitglieder der Künstlergruppe, darunter Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Emil Nolde, Otto Mueller und Max Pechstein, friemelten nicht einfach lieblos ein paar Holzkeile oder Pappdeckel um ihre Gemälde. Für sie bildeten Werk und Rahmen eine Einheit – so wie das schon beim Kirchenbild der Gotik der Fall war.

Während Schmidt-Rottluff Rahmen schnitzte, versah Kirchner die Leisten oft mit gemalten Barockornamenten, um sie aufzupeppen. Leider allerdings wurden viele Bilder und ihre meist hölzerne Umrandung irgendwann getrennt. Lothar-Günther Buchheim etwa hatte sich für eines seiner Gemälde einen Schmidt-Rottluff-Rahmen gemopst.

Ursprünglich sollte das von ihm gegründete Museum in Bernried nun das Zusammenspiel von Brücke-Rahmen und dazugehörigen Brücke-Bildern zelebrieren. Doch die Ausstellung muste abgesagt werden. Auf der Website des Hauses aber ist nun ein kleiner Dokumentarfilm von Sebastian Eschenbach zu sehen, der den Rahmenmacher Murrer auf seiner Suche begleitet. Das Unterfangen ist hochgradig speziell und zugleich hochgradig beglückend. Gerade weil die Ästhetik von Bild und Rahmen eine historische (wenn auch keine kunsthistorische) Randnotiz ist, wirkt das Schwelgen der Experten in der Doku so beruhigend. Hier geht es einmal nicht in erster Linie um Verwertbarkeit und Markt, es geht nicht um ein Produkt, das schnell, lieblos und mit peinlichen Slogans an den Kunden gebracht werden muss.

Der Betrachter kann sich kurz in einer kleinen, echten und von allen Beteiligten heiß geliebten Schönheit verlieren, bevor ihn die Härte des Alltags wieder einholt. Genießen Sie also den Moment, wenn Murrer auf der Stafelalp oberhalb von Davos die Fensterrahmenbemalung von Kirchners Hüttchen bewundert oder wenn sich Daniel J. Schreiber, der Direktor des Buchheim Museums, wie ein Kind darüber freut, dass das Schmidt-Rottluff-Bild „Treidelnde Fischer“ bald mit seinem schwarzen Plattenrahmen wiedervereinigt wird.

Information:

Der Film ist kostenfrei auf der Website des Buchheim Museums unter www.buchheimmuseum.de/wiederentdeckt zu sehen.

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