So richtig sozial im Sinne von echte Gemeinschaft stiftend erscheinen die „sozialen Netzwerke“ Facebook und Co. selten. Doch die Corona-Not macht erfinderisch. Und so nutzt auch der Kunstbetrieb die verschiedenen Kanäle auf kreative Weise, um Mitmenschlichkeit in die Welt zu tragen. Eine digitale Aktion haben sich die Münchner Christiane Wolff und Lars Haensell einfallen lassen. Inspiriert ist die von den in vielen Städten fest verabredeten täglichen Applaus-Stürmen von Balkonen und aus Fenstern heraus für diejenigen, die bis zur Erschöpfung arbeiten, um das Virus zu bekämpfen. „Diese Geste des Dankes haben wir ins Netz verlängert“, erzählt Unternehmerin Wolff. Regelmäßig posten sie und Haensell auf der Instagram-Seite wesaygracias Werke von Künstlern, die diese extra anfertigen. „Und jeder User kann unter dem Hashtag #wesaygracias selbst eine Dankesbotschaft abgeben.“
Aktionen wie diese zeigen, dass das künstlerische Leben weitergeht. Freilich: Keine Internetpräsentation dieser Welt kann den direkten Blick auf ein Werk ersetzen. Und doch müsse man dankbar sein, durch diese Art der Kommunikation zumindest einen kleinen Ersatz zu haben, sagt die stets optimistische Münchner Kunstberaterin Sonja Lechner. Auch sie geht neue Wege. Am Montag hätte in der Galerie Stefan Vogdt eine Vernissage des von ihr unterstützten finnischen Bildhauers Veikko Hirvimäki stattfinden sollen. „Die Absage aller Messen und Vernissagen für die nächsten Wochen hat die oft monatelange Vorbereitung der Künstler zunichte gemacht, die ja von den Verkäufen leben. Daher haben wir uns gedacht, meine für die Vernissage geschriebene Rede verkürzt aufzunehmen und mit Bildern der Skulpturen Hirvimäkis zu unterlegen“, erzählt Lechner. Wölfe, Füchse, Elche und Vögel bevölkern das Werk des Künstlers. „In Hirvimäkis Kindheit auf dem Lande gab die Natur den Pfad vor: Das Leben richtete sich nach dem Rhythmus der Jahreszeiten. Es war ein Leben, das mit den Tieren stattfand und nicht gegen sie.“ Ein Leben, in dem die Wertschätzung Tiere, Pflanzen und Menschen gleichermaßen umfasste. Und so könnte die derzeitige Zwangspause auch hier eine Chance bieten: dafür, sich auf diese ursprüngliche Lebensweise zu besinnen. Inspiration gibt’s in der virtuellen Vernissage unter www.dr-sonja-lechner.de/video-hirvimäki.html.