Denkt man an „Schwanensee“ oder „Giselle“, ist kaum zu fassen, wie viel Politik in einem Ballettfilm stecken kann. Das war anders im Mai 1961, als das sowjetische Kirow-Ballett ein Gastspiel in Paris gab und Tänzer Rudolf Nurejew um Asyl bat. Sein Handeln löste eine Folge diplomatischer Krisen aus. Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes hält sich für seine Inszenierung von Nurejews bewegter Vita dicht an biografische Fakten. Dennoch gelingt es ihm, die Emotionen jenseits dürrer Lebensdaten greifbar zu machen. Tänzer Oleg Ivenko besitzt zwar nicht ganz die schillernde, irritierende Ausstrahlung Nurejews. Doch die legendäre Arroganz, den unbedingten Willen und die Hybris des Stars aus bitterarmen Verhältnissen trifft er recht genau. Wie akribisch die Vorbereitungen für den Dreh waren, davon berichten Ralph Fiennes und Oleg Ivenko im Bonusteil. ulf