Die Party ist vorbei – vorerst

von Redaktion

Das Münchner Filmfest ist abgesagt

VON KATJA KRAFT

Wie sie geschwärmt hat! Wie begeistert sie war von diesem „magnificent“ Festival! Prächtig war’s auch wegen Stars wie ihr selbst. Emma Thompson, die so Verzückte, nahm 2018 beim Filmfest München den CineMerit Award entgegen. Und betonte im Gespräch vorab, dass dieser Preis sie so freue, weil er für eine Veranstaltung stehe, die das Kino feiere, ja, das Einzigartige dieses Mediums: dass man zusammenkomme, um gemeinsam magische Filmmomente zu erleben.

Das mit dem Zusammenkommen ist gerade so eine Sache. Und weil niemand weiß, wie sich die Corona-Ausbreitung entwickelt, wurde das Filmfest München, jene große Cineasten-Party, die vom 25. Juni bis 4. Juli hätte gefeiert werden sollen, nun abgesagt. „Schweren Herzens“, wie Leiterin Diana Iljine gestern Mittag betont. Doch: „Ein Festival ist auf die Zusage von Filmen und Gästen angewiesen. Niemand weiß zurzeit, ob man im Juni reisen kann. Da der Festivalmotor im April auf Hochtouren laufen muss, ist weiteres Abwarten keine Option.“

Und ins Digitale abwandern? Die Kollegen des Dok.Fests machen es vor: Vom 6. bis 24. Mai feiern sie ihr Filmfest online – neue Wege in Corona-Zeiten. Doch kein Pfad für Iljine und ihr Team. „Das fängt an bei den Rechten für das Streaming von Filmen, die zum Teil ihre Uraufführung bei uns haben sollten. Darüber hinaus wäre es technisch eine Herausforderung gerade bei Internetleitungen, die aufgrund der hohen Nutzung derzeit eher überlastet sind.“ Vor allem aber lebe das Fest nun einmal von realen Begegnungen. Jeder, der schon mal nach einer Premiere mit Schauspielern im Hof des City-Kinos beim Wein geplaudert hat oder noch im Saal eine der lebhafte Debatten miterleben durfte, kann das wehmütig schmunzelnd bestätigen.

Die Frage ist, was nun aus Veranstaltungen wie etwa der Verleihung des „Friedenspreises des deutschen Films – die Brücke“ wird, der traditionell in den Münchner Filmwochen vergeben wird. Organisatorin Katrin Strauch und ihr Team überprüfen, ob eine Verlegung in den Herbst möglich ist. „Wir sind mit den Behörden in Kontakt und schauen, wie sich die Lage entwickelt“, sagt Strauch auf Anfrage. Eines aber stehe fest: In welcher Form auch immer, ob im Herbst oder integriert in die nächste Verleihung 2021: Vergeben werde der Preis für 2019. Allein schon, weil im kommenden Jahr ein Jubiläum ansteht. Dann soll die Ehrung zum 20. Mal stattfinden. Und Zeichen des Friedens wie dieses können wir doch gerade nun wahrlich gebrauchen.

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