Wenn die Popmusik je einen Superhelden hatte, gesegnet mit magischen Kräften, schrill, bunt, mehr Alien als Normalsterblicher, dann war es David Bowie. Er war Ziggy Stardust. Er war der Mann, der vom Himmel fiel. Er war: Superbowie!
Gut vier Jahre nach seinem Tod kehrt der „Thin White Duke“ nun zurück – in einer Rolle, die er mutmaßlich geliebt hätte. Das neue Buch „Bowie – Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume“ von US-Künstler Mike Allred präsentiert den Superstar als Comic-Helden. Auf 160 fantastisch illustrierten, kunterbunten und detailverliebten Seiten schickt der Zeichner Bowie auf eine „Magical Mystery Tour“ durch sein Leben, von den Anfängen des David Robert Jones im Londoner Stadtteil Bromley bis aufs Sterbebett in New York, auf dem David Bowie selbst seinen Tod noch als großes Kunstwerk inszenierte.
Mike Allred ist vor allem für seine „Madman“-Reihe bekannt, in der er im Pop-Art-Stil aus dem Andenken von Frank Sinatra und Albert Einstein den schrägen Superhelden Frank Einstein erschaffen hat. Seine neue Comicfigur musste er sich nicht ausdenken. Denn das Leben des androgynen Superstars taugt zum Traum eines jeden Zeichners. Überaus kenntnisreich skizziert Allred vor allem den Aufstieg des jungen Bowie zum globalen Phänomen. Weggefährten wie Marc Bolan, Alice Cooper, Elton John, Freddie Mercury, Iggy Pop, Ringo Starr oder Bowies erste Ehefrau Angela sind brillant getroffen, der gesamte Rockzirkus der frühen Siebziger feiert fröhliche Urständ. Der Zeichner mixt virtuos Collagen, Plattencover, Landkarten oder Songtexte mit ganzseitigen Bildern seines Helden. In einer Szene lässt er drei Bowies von 1978, 1983 und 1993 miteinander reden – erstklassige Comic-Kunst!
Leider gibt es einen großen Wermutstropfen: Nach dem 1973er-Album „Pinups“ endet die Geschichte abrupt. Für die Berliner Trilogie, für „Heroes“, für das große Comeback mit „Let’s dance“, für erfolglose „Tin Machine“-Zeiten, für Bowies Leben und Sterben in New York, für seine letzte Liebe Imam bleiben am Ende karge acht Seiten – ein Jammer. Mike Allred erzählt die Heldengeschichte von Superbowie hoffentlich in einem zweiten Band weiter. Denn dieser Comic ist ein großes Vergnügen für Musikfans. Im Nachwort steht zu Recht: „Dieses Buch wird mit maximaler Lautstärke gespielt!“
Mike Allred:
„Bowie – Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume“. Cross Cult, Ludwigsburg, 160 Seiten; 35 Euro.