„Wir können große Leinwände“

von Redaktion

Münchner Agentur plant ein temporäres Autokino auf der Theresienwiese

VON MICHAEL SCHLEICHER

Für Alex Wolfrum ist die Sache klar: „Wir wollen – wie viele andere Menschen – endlich mal wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Zumindest ein bisschen.“ Deshalb sitzen der Münchner und das Team seiner Eventagentur Gral seit ein paar Tagen an einem besonderen Projekt: Sie möchten ein temporäres Autokino auf der Theresienwiese einrichten – damit während der Corona-Krise gemeinschaftliches Kulturerleben möglich ist.

In anderen Bundesländern haben Autokinos den Spielbetrieb trotz Corona wieder aufgenommen, da die Abwicklung des Besuchs kontaktfrei problemlos möglich ist. In Bayern ist er noch untersagt. Wolfrum ist dennoch guter Dinge und will in der kommenden Woche („Dann sind unsere Grundriss-Zeichnungen so, dass wir sie der Feuerwehr vorlegen können“) mit der Stadt über seinen Plan sprechen.

Der Eventmanager ist kein Unbekannter im Münchner Kulturleben. Von 1995 bis 2016 organisierte die Gral (die vier Buchstaben stehen für „Gründliche Realisierung allgemeiner Lebensfreude“) das Kino-Open-Air auf dem Königsplatz. „Wenn wir etwas können, dann sind es große Leinwände“, sagt Wolfrum im Gespräch mit unserer Zeitung. Aktuell ist seine Firma vor allem im Internet unterwegs, richtet Online-Messen und andere virtuelle Veranstaltungen aus, bereitet digitale Events vor, darunter eine Filmpremiere. „Aber“, räumt der Geschäftsführer ein, „wir vermissen die Menschen.“

Vier Partner aus den Bereichen Technik und Gastronomie seien zuletzt mit der Bitte „Macht ein Autokino in München!“ auf seine Firma zugekommen – etwa habe Leuchtmittelhersteller Osram angeboten, die Toiletten auf der Theresienwiese mit einer speziellen UV-Lichtanlage auszustatten, die die Luft und die Oberflächen nach jedem Besuch virenfrei machen kann. Derzeit führt die Gral zudem Gespräche mit potenziellen Sponsoren: „Trotz schmalem Budget haben viele Firmen Sympathie für unsere Idee.“

Der Plan sieht derzeit vor, dass maximal 680 Autos mit je zwei Insassen pro Vorstellung vor der Leinwand parken. Diese misst 24 mal 12 Meter, hätte also eine Fläche von 288 Quadratmetern. Beginn wäre mit Einbruch der Dunkelheit, maximal zwei Vorstellungen gäbe es pro Abend. „Der Aufwand ist so enorm, dass wir jeden Tag spielen müssten“, berichtet Wolfrum. Dennoch rechnet er mit einem Ticketpreis von lediglich etwas mehr als zehn Euro pro Person. „Wir brauchen ein konkurrenzfähiges Angebot zum Streaming. Wir wollen der Couch zuhause etwas entgegensetzen.“ Zum Programm gibt er noch keine Auskunft. Nur so viel: aktuelle Kinofilme wie „Die Känguru-Chroniken“ sollen angefragt werden – und Helmut Dietls Kultserie „Monaco Franze“ mit Helmut Fischer ist für ihn ein Muss. Sollte das Autokino genehmigt werden, könnte es, wenn alles nach Plan läuft, in gut einem Monat heißen: Film ab! Alex Wolfrum will die Anlage zudem für andere öffnen – von Gottesdiensten bis Konzerten sei vieles denkbar; auch hier gibt es bereits Beispiele aus anderen Bundesländern. Und warum die Theresienwiese? „Wir prüfen natürlich auch andere Standorte. Aber wir wollen ins Herz der Stadt – und in die Herzen der Münchner.“

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