Das wird auch digital ein Fest!

von Redaktion

Heute startet Münchens Dokumentarfilmfestival erstmals online – 121 Beiträge aus aller Welt

VON KATJA KRAFT

Sie hätten es auch verschieben können. Oder ganz absagen. Doch nach dem Durchspielen aller Optionen entschieden sich Festivalleiter Daniel Sponsel und sein Team für Variante drei: Das Münchner Dok.Fest wird in diesem Jahr wie berichtet online stattfinden. Das fängt schon bei der Premiere heute Abend an. Dann werden Sponsel, Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach und Münchens Kulturreferent Anton Biebl auf der Bühne des Deutschen Theaters stehen und die Zuschauer begrüßen. Die sitzen nicht in den Reihen vor ihnen, sondern an den Bildschirmen daheim. Vielleicht sind es sogar mehr, als in den Theatersaal passen würden. Denn das ist ja der Vorteil eines Online-Festivals: Es gibt keine Platzbeschränkungen.

So positiv muss man es wohl sehen in diesen Tagen. Sponsel, einst Radrennprofi, nimmt’s sportlich: „Ab dem Punkt, an dem wir uns entschieden haben, dass wir online gehen, haben wir alle unsere Kräfte in die Umsetzung gesteckt. Wir haben gar keine Ressourcen frei, irgendetwas zu bedauern. Wir freuen uns, dass es jetzt losgeht.“

Und wie geht’s jetzt los? Erst einmal die Begrüßung also und ein kurzes Interview mit der Regisseurin Réka Szabó über ihren „The Euphoria of Being“, den diesjährigen Eröffnungsfilm. Der wird im Anschluss gezeigt. Tickets gibt’s – wo sonst? – online auf der Homepage des Festivals. Jeder Film kostet 4,50 Euro, eine Leihgebühr, die für 24 Stunden gilt. In diesem Zeitraum kann man das jeweilige Werk so häufig anschauen, wie man mag. Wer sich solidarisch zeigen möchte, kann beim Ticketkauf noch einen Euro drauflegen. Der geht an die Partnerkinos Rio Filmpalast, City/Atelier und Neues Maxim. „Es ist schön zu sehen, dass im Vorverkauf bei den Einzeltickets bereits 63 Prozent der Käufer die um einen Euro teurere Variante gewählt haben“, freut sich Sponsel.

Es war gar nicht so leicht für ihn und sein Team, Preise festzulegen. Wie hoch sollte man gehen? Ein klassischer Kinobesuch ist’s ja nicht. Aber alles zum Nulltarif kam auch nicht infrage. „Es ist ein wichtiges Signal an die Branche, ihre Ware nicht kostenlos anzubieten. Und auch ans Publikum. Das ist Filmkunst – und die hat ihren Preis.“

Mit 159 Filmen hatte man im März geplant, geblieben sind 121. Drei Viertel der Rechtebesitzer sind den Schritt ins Digitale mitgegangen, sehr zur Freude der Veranstalter. Manche hatten keine Wahl – die Chance, doch noch einmal mit einem regulären Start auf der großen Leinwand anzulaufen, sinkt Woche für Woche. „Wir wissen nicht, wie es in der derzeitigen Situation weitergeht. Weil jetzt keine Kinostarts möglich sind, wird es einen Stau geben an Premieren im Herbst.“ Zudem war für viele Filme kein deutscher Kinostart vorgesehen. Sie sind in jedem Fall nur auf dem Festival zu erleben.

Und die Macher dahinter. Noch so ein Vorteil der Online-Variante: Normalerweise reichen die finanziellen Mittel nicht, mehr als eine Person des Filmteams nach München einzuladen. Nun werden bei den Fragerunden nach der Filmvorführung gleich mehrere Personen aus aller Welt zugeschaltet. Regisseure, Produzenten, Protagonisten. Die Zuschauer können per Chat Fragen stellen. Einige Gespräche wurden vorab aufgezeichnet. Sie kann man bereits vor dem Film anschauen und sich einstimmen auf das, was kommt.

Was kommt, sind: Dokumentarfilme auf höchstem Niveau. Ein Beispiel, Herr Sponsel? „Die Heimreise“. Ein Film, der einen Heldentrip von zwei jungen Männern erzählt. Beide sind geistig beeinträchtigt und brechen gemeinsam von einem Inklusionshof in Niedersachsen Richtung Berlin auf, um den familiären Spuren des einen nachzugehen. „Das ist eine sehr berührende, intime Geschichte, die aber nicht nur rührend, sondern auch humorvoll und großmütig ist“, sagt Sponsel.

Das totale Kontrastprogramm nennt der Chef gleich auch, um die Vielfalt der Themen zu verdeutlichen: „Swinger – Die wunderbare Welt des Partnertauschs“. „Das ist einer dieser Filme, deren Inhalt für den einen oder anderen merkwürdig oder bizarr ist – aber genau das ist ja das Schöne am Dokumentarfilm, dass wir Einblick in Welten bekommen, die uns nicht so nahe sind. Die ein bisschen anders funktionieren als die unsere.“

Weitere Informationen:

Das Dok.Fest ist vom 7. bis 24. Mai online. Tickets und Filme unter www.dokfest-muenchen.de.

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